Angehörige von Alkoholiker: Es ist wichtig, dass du auf dich achtest

Angehörige von Alkoholiker: Es ist wichtig, dass du auf dich achtest

Häufig leidet das Leben der Angehörigen unter der Alkoholsucht eines nahen Menschen. Wenn es dir auch so geht, dann bist du nicht allein. Damit du nicht weiter im Teufelskreis des Alkoholismus gefangen bleibst, ist es wichtig, dass du etwas an deiner Situation als Angehörige veränderst. Um das zu erreichen, ist oftmals gerade der erste Schritt der schwierigste Teil. Wenn du dir aber die Zeit nimmst, dich damit auseinanderzusetzen, welche Bedürfnisse du hast und welchen Aktivitäten du wieder nachgehen möchtest, dann kann das ein guter Ausgangspunkt sein und dich motivieren, mit deinem persönlichen Plan weiterzumachen. In diesem Artikel soll es daher um dich als Angehörige gehen, wie du den Fokus wieder auf dein Leben richtest, und zwar unabhängig davon, ob der Betroffene (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) weiterhin Alkohol konsumiert oder eine Behandlung seiner Alkoholerkrankung beginnt.

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Alkoholismus eines nahen Menschen: Erstelle einen Plan

Es kann schwer sein einen Weg zu finden, wie man sich selbst und dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) helfen kann. Wenn du dich bereits mit anderen Menschen ausgetauscht hast, hast du wahrscheinlich schon verschiedene Ratschläge bekommen und trotzdem das Gefühl, dass nichts davon hilft. Vielleicht hast du bisher aber auch noch mit niemanden gesprochen, weil du dich schämst. Damit du jedoch etwas an deiner Situation verändern kannst, benötigst du einen Plan. Eine Art Handbuch, das dir als Navigation aus dem negativen Kreislauf der Alkoholsucht dient.

Dein persönlicher Plan sollte zwei Elemente enthalten:

  1. Mach dir darüber Gedanken, wie du den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) dahingehend motivieren kannst, dass er zunächst seinen Alkoholkonsum reduziert und im zweiten Schritt eine Behandlung seiner Alkoholsucht in Betracht zieht. Nutze hierfür die Technik der positiven Verstärkungen der CRAFT-Methode.
  2. Genauso wichtig ist es aber auch, dass du dich damit auseinandersetzt, welche Auswirkungen das Alkoholproblem des Betroffenen auf dein Leben hat und was du dagegen tun kannst.

Die nachfolgenden Absätze fokussieren sich auf den zweiten Faktor, nämlich darauf, wie du dein Leben wieder zurückbekommst und deine persönliche Lebensqualität nicht weiter davon abhängt, ob der Betroffene (ugs. Alkoholiker) weiterhin Alkohol konsumiert oder eine Therapie seines Alkoholproblems beginnt.

Folgende Aspekte solltest du in deinen Plan aufnehmen

Im ersten Schritt ist es wichtig, dass du dir bewusst darüber bist, dass du keine Schuld an dem Alkoholproblem des Betroffenen trägst. Du bist nicht dafür verantwortlich, dass er Alkohol trinkt, er hat sich selbst dazu entschieden. 

Es ist nicht deine Schuld, dass der Betroffene an Alkoholismus erkrankt ist, aber du kannst etwas tun und musst dich nicht hilflos fühlen.

Der nächste Schritt besteht darin, dass du einen Plan erstellst wie du dein Leben aus dem negativen Kreislauf der Alkoholsucht wieder zurückbekommst. Ob klar strukturiert oder wilde Notizen auf einem leeren Blatt, du kannst den Plan so gestalten, wie er sich für dich richtig anfühlt. Nachfolgend gehe ich auf die wichtigsten Faktoren ein, die dein persönlicher Plan enthalten sollte.

1. Dein Bedürfnis nach sozialer Unterstützung

Ein sehr wichtiger Bestandteil in deiner Situation ist die Unterstützung von Familie, Freunde und anderen Menschen. Es kann sehr herausfordernd sein, die eigene Lebensqualität unabhängig von dem Alkoholproblem des Betroffenen zu verbessern. Die Möglichkeit sich an andere Menschen zu wenden, die einen in dieser Situation unterstützen, kann sehr hilfreich sein. Manche Angehörige finden diese Unterstützung in Selbsthilfegruppen. Andere bevorzugen den Austausch über die Herausforderungen des Alkoholismus lieber mit ihren Freunden oder Familienmitgliedern. Wieder andere finden einen Weg im spirituellen Bereich. Weil keine der bestehenden Möglichkeiten meinen Bedürfnissen entsprach, habe ich Challenge-A ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um einen Ort für Angehörige. In einem geschützten Bereich können Angehörige die Techniken des CRAFT-Modells erlernen und neue Handlungsmöglichkeiten kennenlernen, um das Gefühl der Hilflosigkeit zu besiegen. Nimm dir ein wenig Zeit darüber nachzudenken, wie viel und welche Art von sozialer Unterstützung du dir für dein Leben wünschst.

2. Deine persönlichen Grenzen

Wir alle haben unsere eigene Überzeugungen davon, welches Verhalten wir tolerieren und wann persönliche Grenzen überschritten werden. Diese Grenzen sind nicht unbedingt gut oder schlecht, sie sind einfach deine persönlichen Rahmenbedingungen, womit du leben kannst. Diese Bedingungen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Welche der Grenzen würden bei diesen Beispielen für dich gelten?

  • Das (erwachsene) Kind nicht mehr finanziell zu unterstützen, wenn es das Geld für Alkohol ausgibt.
  • Den Partner nicht mehr auf Arbeit krankmelden, weil er noch einen Kater auf Grund des Alkoholkonsums hat.
  • Keine Ausreden mehr dafür zu finden, warum der Betroffene (ugs. Alkoholiker) nicht zu einem geplanten Treffen erscheint, weil er dafür noch zu betrunken oder verkatert ist.
  • Die Entscheidung zu treffen, nur noch Zeit mit dem Partner zu verbringen, wenn dieser nüchtern ist.

3. Worauf hast du bisher verzichtet?

Häufig vernachlässigen Angehörige eigene soziale Aktivitäten, Familien, Freunde und Hobbys, wenn ein naher Mensch ein Alkoholproblem hat. Vielleicht ist es auch bei dir so, dass du bisher einen Großteil deiner Zeit damit verbracht hast, dich um den Betroffenen zu kümmern, indem du ihn von der Kneipe abgeholt, seinen Alkohol weggeschüttet oder dich mit ihm wegen seines Alkoholkonsums gestritten hast. Vielleicht übernimmst du auch auf Grund der Alkoholsucht mehr Aufgaben im Haushalt, kümmerst dich vorwiegend um die Kinder oder regelst die finanziellen Aspekte.

Sehr wahrscheinlich verbringst du viel Zeit damit, dir Sorgen zu machen und nach Wegen zu suchen, wie du den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) vom Alkohol abhalten kannst. Wie viel Zeit bringst du im Zusammenhang mit der Alkoholkrankheit des Betroffenen auf? Vermutlich wirst du sehr viel Zeit dafür opfern.

  • Was würdest du machen, wenn du wieder mehr Zeit hättest?
  • Welche Hobbys, Aktivitäten oder persönlichen Bedürfnisse (bspw. genügend Schlaf oder gesunde Ernährung) hast du bisher vernachlässigt?
  • Gibt es Dinge, die du früher gemeinsam mit dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) gemacht hast, die aber heute auf Grund des Trinkens nicht mehr möglich sind?
  • Gibt es Träume, die du eigentlich schon immer in die Realität umsetzen wolltest, auf die du aber bisher verzichtet hast, weil du dich nicht darauf einlassen konntest?
Es ist an der Zeit, dass du dein Leben wieder zurückbekommst, und zwar unabhängig davon, wie es mit dem Alkoholproblem des Betroffenen weitergeht.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Ganz einfach: Nimm dir ein Blatt Papier und beginne damit, deinen Plan aus dem negativen Kreislauf der Alkoholsucht zu erstellen. Fang am besten damit an, deine Gedanken zu folgenden Fragen aufzuschreiben:

  • Wo sind deine persönlichen Grenzen?
  • Welches Verhalten des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) bist du nicht mehr bereit zu tolerieren?
  • Was hast du auf Grund der Alkoholproblems des Betroffenen aufgegeben?
  • Auch welche Hobbys und Aktivitäten hast du bisher auf Grund der Alkoholsucht des Betroffenen verzichtet? Gibt es Dinge, die du gemeinsam mit deinem Angehörigen machen möchtest, wenn er nüchtern ist? Welchen Hobbys würdest du gerne wieder nachgehen? Was waren deine Wünsche und Ziele, bevor der Alkoholismus dein Leben bestimmt hat?
  • Was sind deine Ziele, Wünsche und Bedürfnisse?
  • Welche Art von sozialer Unterstützung hast du und reicht dir diese aus?
  • Welchen Menschen in deinem Umfeld kannst du dich anvertrauen, damit sie dich unterstützen können?
  • Gibt es Verhaltensweisen, mit denen du den Betroffenen vielleicht unbewusst in seinem Trinkverhalten unterstützt? Beispielsweise indem du ihn vor weiteren Schaden beschützt, ihn krankmeldest oder für ihn lügst? Welche dieser Verhaltensweisen möchtest du in Zukunft vermeiden?

Indem du deinen persönlichen Plan erstellst, gehst du den ersten Schritt, um dein Leben wieder zu verbessern.

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Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

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