Mein Partner hat ein Alkoholproblem: Soll ich ihn aus der Wohnung werfen?

Mein Partner hat ein Alkoholproblem: Soll ich ihn aus der Wohnung werfen?

Wenn du schon länger mit jemanden zusammenlebst, der ein Problem mit Alkohol (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) hat, dann hast du vermutlich auch schon oft von anderen Menschen den Rat bekommen, dass du ihn endlich aus der gemeinsamen Wohnung werfen oder selbst ausziehen sollst. Obwohl viele Menschen einen gut gemeinten Ratschlag für dich haben, kann es trotzdem schwer sein, die richtige Entscheidung für dich und deine Familie zu treffen. Denn jede Situation mit der Herausforderung Alkoholismus ist anders und nicht jeder Ratschlag passt auf deine individuelle Situation. Wie du etwas mehr Klarheit für deine Entscheidung finden kannst, darauf gehe ich in diesem Artikel ein.

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Alkoholismus: Soll der Partner aus der Wohnung ausziehen?

Bei all den Ratschlägen wird in den meisten Fällen wenig darüber gesprochen, welche Faktoren du berücksichtigen solltest, wenn du darüber nachdenkst, dem Betroffenen (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) zu sagen, dass er aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen soll. In diesem Beitrag werde ich daher auf Aspekte eingehen, die du bei dieser schwierigen Entscheidung berücksichtigen kannst.

Alkoholismus des Partners: Wo sind deine Grenzen?

Deine Grenzen in Bezug auf die Beziehung zu dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) sind das, was für dich noch in Ordnung und was nicht mehr akzeptabel ist. Beispielsweise kann deine Grenze erreicht sein, wenn es im Streit zu Beleidigungen kommt. Dann kannst du dir vornehmen, dass Gespräch sofort zu beenden und den Raum zu verlassen. Oder vielleicht ist deine Grenze, dass dein Partner nicht mit den gemeinsamen Kindern spielen darf, wenn er Alkohol getrunken hat.

Wo du deine Grenzen setzt und wie du darauf reagierst, wenn diese verletzt werden, dass ist deine ganz eigene Entscheidung. Es ist wichtig, dass du deine ganz eigenen und individuellen Grenzen hast. Nutze diese, wie du dich persönlich wohlfühlst. Denn schließlich bist du die Person, die ihre Grenzen auswählt und sie aufrechterhalten soll. Daher solltest du auch sichergehen, dass du nur Grenzen hast, die sich für dich richtig anfühlen.

Beschäftige dich also mit der Frage, warum du dir Grenzen gesetzt hast. Wenn du welche hast, um dich und deine Familie vor dem Verhalten des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu schützen, dann fühlen sich diese Grenzen ganz anders an, als wenn du damit deinen Angehörigen vielleicht auf Grund seiner Alkoholsucht „bestrafen“ möchtest.

Mache dir auch einmal darüber Gedanken, ob du auf die Überschreitung von Grenzen erst einmal mit mehreren kleinen Handlungen reagieren kannst (bspw. die Aufforderung an den Partner, in einem anderen Raum zu schlafen oder der Verzicht auf ein gemeinsames Abendessen), bevor du die „Notfallbremse“ ziehst und den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) dazu aufforderst, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Mehrere kleine Handlungen sind vergleichbar, als ob du eine Schraube mit einem Schraubenzieher nachjustierst. Bei einem Rauswurf aus der Wohnung versuchst du hingegen, die Schraube mit einem Vorschlaghammer festzudrehen.

Welches Werkzeug und welche Auswirkungen sind für deine aktuelle Situation sinnvoll?

Fünf Faktoren um Grenzen zu setzen

Nachfolgend gehe ich auf fünf Faktoren ein, um eigene Grenzen in Bezug auf einen nahestehenden Menschen zu setzen, der ein Problem mit Alkohol (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) hat.

  1. Die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf deine emotionale und physische Gesundheit sowie auf die deiner Familie: Fühlt es sich so an, als ob der Stress, den der Betroffene (ugs. Alkoholiker) zu Hause ausübt, langsam zu viel wird? Leidest du unter Angst oder Depressionen, die durch den Stress der Alkoholsucht verursacht werden? Wenn deine emotionale und körperliche Gesundheit auf Grund des Alkoholkonsums deines Partners ernsthaft beeinträchtigt wird, dann ist es an der Zeit darüber nachzudenken, was für dich am besten ist. Falls auch weitere Familienmitglieder bei euch wohnen, solltest du ebenfalls deren emotionale und körperliche Gesundheit berücksichtigen. Wenn deren Gesundheit ebenfalls durch den Betroffenen gefährdet ist, ist es vielleicht an der Zeit Grenzen zu setzen, um die negativen Folgen für dich und deine Familie zu verringern. Nur weil sich das Leben des Betroffenen auf Grund der Alkoholkrankheit immer weiter zum Negativen verändert, bedeutet das nicht, dass sich auch dein Leben und das von deiner Familie ebenfalls auf Grund der Herausforderung Alkoholismus zum Schlechten hin verändern muss.
  2. Die finanziellen Aspekte: Wenn dein Partner aus der gemeinsamen Wohnung oder Haus auszieht, hast du dann die finanziellen Mittel, um für dich und deine Familie zu sorgen? Kannst du weiterhin in der Wohnung leben? Gibt es vielleicht Familienmitglieder oder Freunde, die dir helfen können?
  3. Deine persönlichen Werte: Überlege dir, was du für ein Partner oder Familienmitglied sein möchtest. Wofür möchtest du stehen? Was sind deine Werte im Bezug darauf, wie du für dich selbst sorgen möchtest? Deine eigene Gesundheit und Glück ist wichtig. Wenn du eine Beziehung mit dir selbst haben könntest, wie du sie dir schon immer vorgestellt hast: Welche Eigenschaften würden diese Beziehung beschreiben (bspw. ich wäre immer liebevoll und ehrlich zu mir)? Welche Rolle spielen diese Eigenschaften für deine Entscheidung, ob der Betroffene (ugs. Alkoholiker) aus der Wohnung ausziehen soll?
  4. Dein Wille, Grenzen aufrechtzuerhalten: Wenn du jetzt schon weißt, dass du deine erwachsene Tochter wieder zu Hause einziehen lässt, weil sie auf Grund des Alkoholkonsums ihren Job verloren und kein Geld mehr hat, aber eigentlich deine Grenze war, dass du ihr keine Unterkunft bietest, wenn sie weiterhin Alkohol konsumiert, dann ist es auch sicher, dass du deine Grenze nicht aufrechterhalten wirst. Wenn du jedoch weißt, dass du ihr kein Geld geben wirst, so lange sie bei dir wohnt, dann könnte das eine effektivere Grenze für dich sein. Auch hier solltest du dir Grenzen aussuchen, die sich für dich gut anfühlen und die du einhalten wirst. Wenn du feste Grenzen haben möchtest und Hilfe dabei benötigst, diese auch einzuhalten, dann hilft es dir vielleicht dich mit anderen Menschen auszutauschen, die dich dabei unterstützen können. Oder du holst dir die Unterstützung von Challenge-A und hältst deine Grenzen mit Hilfe des CRAFT-Modells aufrecht.
  5. Deine Bereitschaft: Das Setzen und Aufrechterhalten von Grenzen kann deinen Partner zu Beginn verärgern, ihn wütend machen oder auch irritieren. Es ist wichtig, dass du dir Gedanken darüber machst, wie du in so einem Fall reagieren wirst und wie deine Bereitschaft sein wird, deine Grenzen auch einzuhalten. Wenn es auf Grund der gesetzten Grenzen zu Gewalt oder Aggressionen kommt, musst du jedoch sofort Maßnahmen ergreifen, um deine eigene Sicherheit zu gewährleisten. Wenn es für dich schwierig ist, Grenzen einzuhalten, wenn der Betroffene (ugs. Alkoholiker) verärgert ist, dann solltest du für dich einen Plan entwerfen, wie du Grenzen setzt, die du auch einhalten kannst.

Die Entscheidung eigene Grenzen zu setzen und aufrechtzuerhalten (bspw. das du deinen Partner dazu aufforderst, aus der Wohnung auszuziehen) ist nicht leicht. Die vorgestellten Faktoren können dir dabei helfen Grenzen zu setzen, die sich für dich richtig anfühlen.

Wie du alle Faktoren zusammensetzt und eine Entscheidung treffen kannst

Die folgende Übung ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit du eine Entscheidung treffen kannst. Die Übung wird dir dabei helfen, alle Faktoren aus diesem Beitrag zu durchdenken und dann eine Entscheidung treffen zu können, die sich für dich richtig anfühlt. Es ist wichtig, dass du dich daran erinnerst, dass es für deine Situation keine perfekte Entscheidung gibt.

Übung: Eine Entscheidung treffen

Diese Übung soll dir dabei helfen, eine Entscheidung zu treffen, wenn dich der Alkoholkonsum deines Partners zu sehr belastet und dich die Frage beschäftigt, ob du den Betroffenen auffordern solltest, auf Grund seiner Alkoholsucht aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Du kannst diese Übung aber auch in anderen Bereichen deines Lebens anwenden, überall dort, wo du Grenzen setzen und einhalten möchtest.

  1. Welche Auswirkungen hat der Alkoholkonsum des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) auf deine emotionale und physische Gesundheit? Notiere die Auswirkungen (bspw. „Ich habe bemerkt, dass ich nicht mehr glücklich sein kann“ oder „Mein Puls ist dauerhaft zu hoch“).
  2. Deine finanziellen Mittel: Was würde passieren, wenn dein Partner aus der gemeinsamen Wohnung auszieht? Kannst du die Miete auch allein zahlen? Falls nicht, gibt es Freunde oder Familienmitglieder, die dich unterstützen können? Würde du vielleicht Geld sparen, wenn er auszieht? Wenn ja, wie viel? Notiere deine Gedanken.
  3. Deine Werte: Nimm dir einen kurzen Moment Zeit und überlege dir, welche Art von Partner oder Familienmitglied du sein möchtest. Was ist dir in dieser Beziehung wichtig?
    1. Überlege, wie wichtig dir deine geistige, körperliche und spirituelle Gesundheit ist. Wenn du eine Art von Beziehung mit dir selbst haben könntest, die du dir schon immer vorgestellt hast, welche Eigenschaften würden diese Beziehung beschreiben? Welche Auswirkungen hätte ein Auszug deines Partners auf deine Gesundheit?
    2. Betrachte deine Werte in Bezug auf deinen Partner. Welche Art von Beziehung möchtest du mit ihm haben? Wie gut können dich deine Grenzen dabei unterstützen? Wie kannst du deinem Partner in der aktuellen Situation helfen? Ist es vielleicht sogar das Beste was du tun kannst, wenn er die Wohnung verlassen soll, auch wenn er nicht will?
  4. Deine Bereitschaft und dein Wille eigenen Grenzen aufrechtzuerhalten: Mit welchen Grenzen kannst du realistisch leben? Wie groß ist deine Bereitschaft, deine Grenzen auch wirklich einzuhalten? Grenzen zu setzen bedeutet sie zu definieren und sie einzuhalten. Wenn du persönliche Grenzen setzt, musst du auch damit rechnen, dass die einmal überschritten werden. Bist du bereit zu handeln, wenn deine Grenzen überschritten werden? Notiere deine Gedanken.
  5. Was gibt es außerdem zu berücksichtigen? Vielleicht bist du bei der Beantwortung der Fragen noch auf weitere Faktoren gestoßen, die wichtig für deine Entscheidung sind und die du noch berücksichtigen möchtest? Notiere auch hier deine Gedanken.

Füge alle Faktoren zusammen

Markiere alle Faktoren, die für deine Entscheidung im weiteren Umgang mit der Herausforderung Alkoholismus am relevantesten sind. Erscheint jetzt eine Entscheidung für dich sinnvoll? Wenn dir die Übung dabei geholfen hat, eine Entscheidung dafür zu treffen, dass dein Partner aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen soll, dann notiere deine nächsten Schritte, was du konkret unternehmen wirst, um dein Ziel zu erreichen. Wenn du für dich die Entscheidung getroffen hast, dass der Betroffene (ugs. Alkoholiker) zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausziehen soll, dann notiere stattdessen deine konkreten nächsten Schritte, was du als Nächstes vorhast und wie du wieder zu deinen Werten findest.

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

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