Alkoholismus: Was kann ich tun, wenn ich als Angehörige keine Kraft mehr habe?

Alkoholismus: Was kann ich tun, wenn ich als Angehörige keine Kraft mehr habe?

Wenn im Umfeld ein nahestehender Mensch ein Problem mit Alkohol (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) hat, dann kann bei den Angehörigen mit zunehmender Zeit die Sorge aufkommen, dass sich der Betroffene (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) nie mehr ändern wird und man keine Kraft mehr für den weiteren Weg hat. Und doch kann es sein, dass man nicht aufgeben möchte und nach einer Lösung sucht, wie man auch weiterhin Energie für die Herausforderung Alkoholismus hat. Wie du wieder zu mehr Kraft und Energie als Angehörige von einem nahestehenden Menschen mit einer Alkoholkrankheit kommst, darum geht es in diesem Artikel.

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Alkoholismus: Was du tun kannst, wenn du als Angehörige keine Kraft mehr hast

Die Liebe und Verbundenheit zu einem Menschen mit einer Alkoholsucht kann vor schwere Herausforderungen gestellt werden. Denn auch deine Geduld, Fürsorge und Freundlichkeit kann irgendwann ein Ende finden. Wenn du das Gefühl hast, dass du keine Kraft mehr hast und eigentlich aufgeben möchtest, aber irgendwas dir innerlich sagt, dass du trotz allem weitermachen möchtest, dann kann es hilfreich sein, wenn du dich mit den Werten eurer Beziehung auseinandersetzt. Wenn du dir die Zeit nimmst, um über deine Werte nachzudenken und nach einem Weg zu suchen, wie du dich darauf wieder einlassen kannst, dann kann dir das helfen, wieder neue Kraft für den weiteren Weg zu gewinnen.

Alkoholismus: Werte spielen eine wichtige Rolle

Bei unseren Werten handelt es sich um Ideale, Prinzipien und Richtlinien. Also Eigenschaften und Überzeugungen, die uns in unserem Leben wichtig sind. Sie sind die mehr oder weniger bewusste Intention hinter allem, was wir tun. Unsere Werte unterscheiden sich auch von Moral oder Regeln, die uns die Familie oder Gemeinschaft beigebracht hat und dir wir häufig befolgen. Unsere Werte repräsentieren, wie wir unser Leben führen und was für ein Mensch wir sein wollen. Persönliche Werte können beispielsweise sein: 

  • Authentizität
  • Aufgeschlossenheit
  • Aufrichtigkeit
  • Begeisterung
  • Bescheidenheit
  • Dankbarkeit
  • Durchsetzungsvermögen
  • Einfühlungsvermögen
  • Fleiß
  • Freiheit
  • Freude
  • Freundschaft
  • Gesundheit
  • Geduld
  • Gelassenheit
  • Großzügigkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Kreativität
  • Liebe
  • Lebenslust
  • Loyalität
  • Mitgefühl
  • Respekt
  • Unvoreingenommenheit
  • Vertrauen
  • Verbundenheit
  • Verständnis
  • Wertschätzung
  • Zuverlässigkeit
  • und noch viele mehr...

Werte geben dir eine Richtung vor

Unsere Werte können wir als eine Art Richtung (bspw. in Richtung Süden) verstehen und nicht als endgültiges Ziel (bspw. München). Wir können also immer weiter in die Richtung unserer Werte reisen, aber wir werden nie einen bestimmten Ort oder das Ende erreichen. Werte sind nichts, was du erreichen kannst, du kannst sie nur im Hier und Jetzt leben. Da unsere Werte uns eine Richtung vorgeben, kannst du dir deine Ziele als eine Art Wegweiser vorstellen. Wenn du zum Beispiel viel Wert darauf legst, dass du eine liebevolle Mama sein möchtest, dann hast du sehr wahrscheinlich auch Ziele, die mit deinen Werten übereinstimmen. Beispielsweise indem du dir vornimmst, dass du am Wochenende mit deinen Kindern etwas Besonderes unternimmst. Dein Wert Liebe sagt dir also, in welche Richtung du gehen musst und deine Ziele sind Markierungen auf dem Weg dahin. Wenn du deine Werte lebst, erhöhst du die Wahrscheinlichkeit, dass sich dein Leben glücklich, erfüllt und sinnvoll anfühlt.

Als Angehörige von Menschen mit einem Alkoholproblem (ugs. Alkoholiker) verlieren wir manchmal den Kontakt zu unseren Werten und dann müssen wir uns wieder erneut mit diesen verbinden.

Die Betroffenen zu lieben, kann manchmal so schmerzhaft sein, dass wir die Verbindung zu der Person verlieren, die wir eigentlich sein wollen. Wir konzentrieren uns so sehr auf das Alkoholproblem und den damit verbundenen Schmerz, dass wir vergessen, was uns eigentlich am wichtigsten ist. Es kann dir daher vielleicht helfen, dich wieder daran zu erinnern, warum du eigentlich diese harte Arbeit in Zusammenhang mit der Alkoholabhängigkeit auf dich nimmst. 

Deine Werte können dir die notwendige Energie geben, die du benötigst, um weiterzumachen. Sie können dir auch eine Orientierung geben, wenn du dich verloren fühlst und nicht weißt, was du tun sollst.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du dich wieder mit deinen Werten verbinden kannst. In den nächsten Absätzen findest du dazu zwei Übungen. Es ist sinnvoll, wenn du dir einen ruhigen Moment für diese Übung suchst, damit du dich ganz entspannt in diese Situation hineinversetzen und über deine Werte nachdenken kannst.

Übung Nr. 1: Verbinde dich mit der Liebe

Für diese Übung musst du dir Zeit nehmen, um dich an deine Vergangenheit zu erinnern. Das Ziel ist es, dass du dich an einen Zeitpunkt erinnerst, an dem du ein starkes Gefühl der Liebe für den Menschen empfunden hast, der jetzt ein Alkoholproblem (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) hat.

Wenn es sich um deinen Partner handelt, dann erinnere dich vielleicht an den Moment zurück, wo du bemerkt hast, dass du in ihn verliebt bist.

Wenn es sich um dein (erwachsenes) Kind handelt, dann erinnere dich vielleicht an den Tag der Geburt oder an eine andere Zeit, in der du ein starkes Gefühl der Liebe verspürt hast.

Nimm dir die Zeit, um dich an den jeweiligen Moment zu erinnern:

  • Wer war dort?
  • Wo warst du?
  • Welche Tageszeit war es?
  • Welche Sehenswürdigkeiten, Gerüche oder Geräusche gab es?
  • Was habt ihr gemacht?

Achte auf deine Gefühle

Während du diese Übung machst, erlaube dir selbst, mit den liebevollen Gefühlen in Kontakt zu kommen, die deine Erinnerungen hervorrufen. Wenn du diese Gefühle zulassen kannst, dann spüre, was dir in diesem Moment wirklich wichtig war. Prüfe, ob du dich wieder mit dem Versprechen verbinden kannst, was du vor der Alkoholerkrankung abgegeben hast (bspw. „Ich werde dich für immer lieben“). Was sind die wichtigen Momente in deiner Erinnerung? Warum gab es damals dieses Gefühl der Liebe? Diese Erinnerungen können deine Werte repräsentieren oder darauf hinweisen.

Wenn du diese Übung beendet hast, dann nimm dir ein Blatt Papier und schreibe deine Gedanken auf, was dir an der Beziehung zu deinem Angehörigen, trotz der Herausforderung Alkoholismus, wirklich wichtig ist. Versuche dich auf die Art von Mensch zu fokussieren, die du selbst in eurer Beziehung sein möchtest. Wie willst du dich in Zukunft gegenüber dem Betroffenen verhalten?

Übung Nr. 2: Besuche deine Geburtstagsfeier

Für diese Übung musst du dir vorstellen, dass du deinen eigenen Geburtstag 10 Jahre in der Zukunft besuchst. Es handelt sich um deine Geburtstagsfeier, auf der alle deine Freunde und Familienmitglieder da sind. Es ist ein Moment, an dem du dafür gelobt wirst, wer du bist und wofür du in deinem Leben stehst. Bitte nimm dir ein wenig Zeit dafür, um dich in diese Situation hineinzuversetzen:

  • Wer ist da?
  • Wo bist du?
  • Was für eine Art von Geburtstagsfeier ist es?
  • Welche Dinge, Geräusche und Gerüche kannst du wahrnehmen?
  • Was machst du?
  • Wie fühlst du dich?

Stell dir vor, dass der Betroffene (ugs. Alkoholiker) sein Leben in der Zeit von heute bis 10 Jahre in der Zukunft komplett verändert hat. Er hat trinkt keinen Alkohol mehr, lebst abstinent und du leidest nicht mehr unter den Folgen der Alkoholsucht und du bist ein wesentlicher Grund dafür, warum er sein Leben so positiv verändert hat. Auf deiner Geburtstagsfeier wird der Betroffene eine Rede über dich halten und dich dafür loben, was für einen Unterschied du in seinem Leben ausgemacht und wie du ihn zum Besseren verändert hast. Stell dir vor, welche Worte der Betroffene in seiner Rede über dich verwendet. Welche Eigenschaften dich ausmachen und was er an dir bewundert:

  • Wofür stehst du in seinen Augen?
  • Was sagt er über dich?
  • Wie fühlst du dich?

Nimm dir nun ein Blatt Papier und schreibe die Aussagen auf, die der Betroffene in seiner Lobrede über dich verwendet hat:

  • Welche Eigenschaften schätzt er an dir?
  • Was bewundert er an dir?

Diese Worte können ebenfalls auf deine Werte hinweisen. Was ist dir nach dieser Übung in deinem Leben wichtig? Schreibe es auf.

Nimm deine Werte und lebe sie im hier und jetzt

Nachdem du nun einige Zeit dafür aufgebracht hast, wieder mit deinen Werten in Bezug auf deinen Angehörigen in Kontakt zu kommen, ist es wichtig, einige Prioritäten zu setzen. Durch die Übung hast du jetzt eine etwas klarer Sicht darauf, welche Werte dir in eurer Beziehung wichtig sind. Nimm dir deine Notizen und priorisiere deine Werte auf einer Skala zwischen 1 = sehr wichtig bis 10 = nicht wichtig. Schau dir deine Liste an und überlege dir, was dir in deiner Beziehung zu dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) am wichtigsten ist.

Wähle anschließend drei deiner wichtigsten Werte aus und notiere dir konkrete Maßnahmen, die du ergreifen wirst, um deinen Werten wieder einen Schritt näher zu kommen. Wichtig ist, dass du diese auch selbst realisieren kannst und dir die benötigten Ressourcen (emotional, körperlich und finanziell) zur Verfügung stehen. Es müssen keine gravierenden Handlungen sein, selbst kleine Schritte führen zu Veränderungen und können einen großen Unterschied im Umgang mit dem Alkoholproblem ausmachen.

Es liegt an dir, deine Handlungen auch umzusetzen. Nimm dir ein wenig Zeit und überlege dir, wann und wie du sie umsetzen willst. Nimm dir nach jeder Handlung einen Moment Zeit, um über deine Erfahrung nachzudenken. Hat sie dich deinen Werten ein Stück nähergebracht? Gibt es etwas, was dich bei der Umsetzung gestört hat? Falls ja, wie kannst du dieses Hindernis in Zukunft vermeiden? Verinnerliche dir immer wieder deine Werte und versuche dich im täglichen Leben daran zu orientieren.

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

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