CRAFT: Die Methode des Community Reinforcement and Family Training

CRAFT: Die Methode des Community Reinforcement and Family Training

In dem diesem Artikel soll es um den Ansatz des Community Reinforcement and Family Training (CRAFT) gehen. Hierbei handelt es sich um ein wissenschaftlich fundiertes Therapieprogramm für Familienmitglieder und Freunde von Menschen mit einem Alkoholproblem (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch), die sich weigern, eine professionelle Behandlung ihrer Alkoholerkrankung in Anspruch zu nehmen. 

Ich bin davon überzeugt, dass dieses Modell auch dir dabei helfen kann, deine eigene Lebensqualität zu verbessern, und zwar unabhängig davon, ob der Betroffene (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) weiterhin Alkohol konsumiert oder nicht. Denn die wissenschaftlichen Ergebnisse der CRAFT-Methode sind beeindruckend. Je nach Studie haben es zwischen 64 bis 86 % der mit diesen Ansatz trainierten Angehörigen geschafft, einen bis dahin therapieunwilligen nahestehenden Menschen für eine Behandlung seiner Alkoholsucht zu motivieren. Zusätzlich berichten die Angehörigen häufig, dass sie bereits nach einer vergleichbar kurzen Zeit eine Verbesserung ihrer Lebensqualität erreicht haben, unabhängig davon, wie sich die Therapie des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) entwickelt. Dabei sind die unterschiedlichsten Beziehungen möglich, es handelt sich um Ehepartner, Eltern, Geschwister oder Kinder der Betroffenen.

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Vereinbare ein Beratungsgespräch und erhalte konkrete Handlungsmöglichkeiten.
Jetzt Gespräch vereinbaren

Die CRAFT-Methode (Community Reinforcement and Family Training) im Überblick

Bevor ich im weiteren auf die einzelnen Details und die Unterschiede zu anderen Ansätzen eingehe, möchte ich dir vorab die wichtigsten Fakten im Überblick vorstellen.

Die Ziele des CRAFT-Modells

Der CRAFT-Ansatz verfolgt insgesamt drei Ziele. Zwei fokussieren sich auf den Betroffenen (ugs. Alkoholiker), dass dritte Ziel ist auf die Angehörigen ausgerichtet. 

  1. Das erste Ziel ist die Reduktion des Alkoholkonsums des Betroffenen: Das CRAFT-Programm führt auf eine ganz andere Weise zur Abstinenz, als es dir von anderen Ansätzen vertraut ist. Denn obwohl das endgültige Ziel darin besteht, den Betroffenen in eine Behandlung zu führen, verfolgt es zudem die vorläufige Absicht, ihn dahingehend zu beeinflussen, dass er seinen Konsum reduziert. Wenn er das tut, dann ist die Chance größer, dass er auch eine professionelle Hilfe aufsuchen wird. Wenn er aber nie eine Behandlung seiner Alkoholabhängigkeit beginnt, dann stellt dieses Ziel zumindest sicher, dass du die Techniken gelernt hat, um den reduzierten Alkoholkonsum zu unterstützen.
  2. Das zweite Ziel ist, den Betroffenen für einen Behandlungsbeginn zu motivieren: Es ist nicht nur ein Hauptanliegen von CRAFT, für viele Angehörige ist es auch das einzige Ziel. In 7 von 10 Fällen ist der CRAFT-Ansatz erfolgreich gewesen, einen behandlungsunwilligen Betroffenen (ugs. Alkoholiker) dahingehend zu beeinflussen, dass er eine Behandlung in Anspruch genommen hat. Der Prozess dahin, um dieses Ziel zu erreichen, ist in jeder Situation anders und es bedarf deshalb etwas Zeit, um die entsprechenden Strategien zu entwickeln. Es gibt viele Zwischenschritte, bevor der Betroffene darum gebeten werden kann, eine Behandlung aufzunehmen. Erst nachdem der CRAFT-Ansatz im Ganzen durchgearbeitet und die verschiedenen Szenarien trainiert wurden, sollte diese Bitte geäußert werden. Es ist daher für den Erfolg entscheidend, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, um eine Behandlung vorzuschlagen.
  3. Das dritte Ziel ist die Verbesserung deiner Lebensqualität, und zwar unabhängig davon, ob der Betroffene weiter trinkt oder eine Behandlung beginnt: CRAFT wird dir dabei helfen zu lernen, wie du dich wieder besser um dich selbst kümmern kannst. Du wirst lernen, wie du unabhängig von dem Betroffenen mehr Zufriedenheit in deinem Leben finden kannst. 

Das CRAFT-Modell funktioniert...

  1. bei Jugendlichen und Erwachsenen.
  2. bei Alkohol und anderen Drogen.
  3. bei einer Vielfalt von Beziehungen zwischen Angehörigen und Betroffenen (Partner, Eltern, Kind, Geschwister, Freunde).

In Studien konnte mit Hilfe der CRAFT-Methode...

  1. im ersten Schritt der Alkoholkonsum um bis zu 50 % reduziert werden.
  2. Angehörige in 7 von 10 Fällen es schaffen, einen behandlungsunwilligen Betroffenen für eine Behandlung zu motivieren.
  3. die meisten Angehörigen bereits nach kurzer Zeit eine Verbesserung ihrer Lebensqualität erreichen, weil sie weniger Sorgen, Ängste oder Wut verspürten. Unabhängig davon, ob der Betroffene sich in Behandlung seiner Alkoholsucht begab oder nicht.

CRAFT-Methode ist ein unverzichtbarer Werkzeugkasten für Angehörige

CRAFT ist einer der besten untersuchten und erfolgreichsten Ansätze und damit ein unverzichtbarer Werkzeugkasten für Familien und Freunde, die einen Menschen in ihrem Umfeld haben, der ein Problem mit Alkohol (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) hat. Bei dem Ansatz von CRAFT handelt es sich um ein Verhaltenscoaching, der dir neue Fähigkeiten im Bezug auf die Beziehung zum Betroffenen, dem Nutzen von positiven Verstärkern, der Kommunikation und der Problemlösung aufzeigt. Mit Hilfe von CRAFT lernst du, wie du mit einer Veränderung deines Verhaltens den Betroffenen dabei unterstützen kannst, ein abstinentes Leben zu führen. Es vermittelt dir außerdem Motivationstechniken, geht auf die Gefahr von Gewalt ein und gibt dir Hinweise, wie du deinen Angehörigen in einer abstinenten Zeit unterstützen kannst.

Das CRAFT-Modell unterscheidet sich von anderen Angeboten insofern, dass es nicht mit Distanzierung oder Konfrontation arbeitet, sondern versucht, durch deine aktive und positive Mitarbeit den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) in Behandlung zu bringen. 

Anstelle der Konfrontation nutzt es verstärkende Elemente. Das Geben und Zurückhalten von positiven Verstärkungen, sogenannten Belohnungen, bilden die Grundlage der CRAFT-Methode. Du wirst lernen, was du in der Umgebung des Betroffenen verändern kannst, um abstinentes Verhalten zu fördern und das der Alkoholkonsum effektiv abgeschwächt wird. Du wirst als der idealer Partner im Prozess der Motivation für eine Behandlung betrachtet, da du bereits sehr viel über das Verhalten des Betroffenen weißt und aufgrund deines Kontakts mit dem Betroffenen und deiner eigenen hohen Motivation eine große Erfolgswahrscheinlichkeit besitzt. Deine Fähigkeiten werden gezielt dazu verwendet, um den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) dahingehend zu beeinflussen, dass er eine Behandlung seines Alkoholproblems beginnt. Gleichzeitig legt der Ansatz aber auch viel Wert darauf, dass du deine eigene Lebensqualität verbesserst.

Die Hauptbestandteile des CRAFT-Ansatzes sind:

  1. Das Trinkverhalten des Betroffenen zu verstehen: Also die Auslöser und Konsequenzen des Alkoholkonsums zu identifizieren und auf dieser Grundlage Strategien zu entwickeln, sodass äußere Bedingungen dahingehend verändert werden können, um abstinentes Verhalten zu unterstützen.
  2. Vorsichtsmaßnahmen bei häuslicher Gewalt zu ergreifen: Das Gewaltpotenzial in der Beziehung einzuschätzen, Auslöser für Aggressionen zu identifizieren und Verhinderungs- und Schutzpläne zu erstellen.
  3. Kommunikationstraining: Den aktuellen Kommunikationsstil zu untersuchen, Elemente für eine Verbesserung der Kommunikation zur Verfügung zu stellen und positive Kommunikationsfertigkeiten zu üben.
  4. Positive Verstärkungen: Angemessene kleine Verstärkungen und Belohnungen zu identifizieren und lernen, wie diese angewendet werden können, um das abstinente Verhalten zu unterstützen.
  5. Strategien zur Reduktion des Alkoholkonsums: Wie im Fall von Alkoholkonsum der Entzug von Belohnungen genutzt werden sowie natürliche Konsequenzen des Alkoholkonsums zugelassen werden können.
  6. Die Verbesserung der Lebensqualität: Die Unzufriedenheit in verschiedenen Lebensbereichen zu erkennen und Ziele zu definieren sowie einen Plan zur Lösung dieser Probleme zu entwickeln.
  7. Dem Betroffenen eine Behandlung vorzuschlagen: Den günstigsten Zeitpunkt und die beste Art und Weise ermitteln, wie dem Betroffenen eine Behandlung seiner Alkoholsucht vorgeschlagen werden kann. Die Vorbereitung auf mögliche Verweigerungen und Absprachen mit einer Behandlungseinrichtung zu treffen, um den Betroffenen ohne Verzögerung vermitteln zu können.

Was kennzeichnet den CRAFT-Ansatz? 

Es ist ein Programm, dessen Bestandteile und Verfahren auf Grundlagen deiner individuellen Bedürfnisse und Wünsche ausgewählt wird. Das bedeutet, obwohl du eine klare Anleitung erhalten wirst, musst du nichts tun, was du nicht tun willst. Der Ansatz sollte von dir nicht wie eine Checkliste abgearbeitet werden, sondern er kann in beliebiger Reihenfolge und unterschiedlicher Geschwindigkeit genutzt werden, je nachdem, was das Beste für dich ist.

Die CRAFT-Methode ist ein auf Fertigkeiten basierendes Programm, dass dir allgemeine Techniken (z.B. Kommunikation oder Problemlösungsstrategien) vermittelt. 

Diese Fertigkeiten kannst du verwenden, um Veränderungen im Alkoholkonsum des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu fördern und ihn schließlich dahingehend zu motivieren, dass er eine Behandlung in Anspruch nimmt.

Der Ansatz vermittelt dir außerdem Strategien, die dir dabei helfen, deine Lebenszufriedenheit zu verbessern, unabhängig davon, ob der Betroffene weiterhin Alkohol konsumiert.

Du als Angehörige wirst dabei als der ideale Partner im Prozess der Behandlungsmotivation betrachtet, da du bereits sehr viel über das Verhalten des Betroffenen weißt. Du hast ein gutes Gespür dafür, wann der Betroffene Alkohol getrunken hat, wie er sich bei Konsum verhält und wann er nüchtern ist. Du verfügst also bereits über viele nützliche Informationen, weißt vermutlich nur nicht, wie du sie einsetzen kannst. Hier kommt der Ansatz von CRAFT ins Spiel: Indem zum einem die Probleme analysiert werden, die mit dem Konsum von Alkohol im Zusammenhang stehen und zum anderen die typischen Reaktionen der Angehörigen betrachtet werden, welche teilweise unbeabsichtigt den Konsum unterstützen können. Das Modell bietet dir also eine umfassende Strategie für den Umgang mit dem Betroffenen. 

Mit dem CRAFT-Modell lernst du:

  • Die Trinkauslöser des Betroffenen zu identifizieren.
  • Eigene Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern, die den Alkoholkonsum fördern oder unterstützen.
  • Deine Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern, um Bedürfnisse und Wünsche besser ausdrücken zu können.
  • Dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) dabei zu helfen, die Möglichkeit einer Behandlung seiner Alkoholerkrankung in Anspruch zu nehmen, wenn er Interesse daran zeigt.
  • Dich wieder auf dich zu fokussieren und dich mit deinen Werten zu verbinden, sodass du unabhängig vom Trinkverhalten des Betroffenen ein Leben führen kannst, dass sich auf deine Bedürfnisse und nicht auf das Alkoholproblem fokussiert.
  • Bei Gefahr von Gewalt oder Aggressionen, die Auslöser zu identifizieren und einen Plan zu entwickeln, um dich selbst und deine Familienmitglieder zu schützen.

Wie unterscheidet sich das CRAFT-Modell von anderen Ansätzen?

Das traditionelle Angebot für Angehörige ist der Besuch von Selbsthilfegruppen. Der zweite, vor allem in den USA weit verbreitet, ist die sogenannte Intervention. In den nachfolgenden Absätzen werde ich daher auf die Unterschiede von CRAFT zu diesen beiden Ansätzen eingehen.

Craft vs. Al-Anon

Selbsthilfegruppen bieten eine Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch und Unterstützung. In regelmäßigen Sitzungen treffen sich Angehörige und tauschen sich über ihre Sorgen, Ängste und Erfahrungen in Bezug auf das Alkoholproblem eines nahen Menschen aus. Die wahrscheinlich bekannteste Gruppe ist die von Al-Anon. Es gibt aber auch Angebote der Guttempler, Kreuzbund oder Blaues Kreuz. Das traditionelle Angebot ist die Selbsthilfegruppe von Al-Anon, welche auf den 12-Schritten der Anonymen Alkoholiker basiert. Wie auch die Anonymen Alkoholiker enthalten die Gruppen von Al-Anon spirituelle Elemente. Die 12-Schritte lehren die Angehörigen, sich vom Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu lösen und die Tatsache zu akzeptieren, dass er außer Stande ist, dass krankhafte Verhalten des Betroffenen zu kontrollieren. Aus der begrenzten Anzahl von Studien, die zu Al-Anon durchgeführt wurden, geht hervor, dass sich das Wohlbefinden der Angehörigen in kurzer Zeit verbessert, aber nur in ca. 2 von 10 Fällen der Betroffene auch zu einer Behandlung bewegt werden kann. Der Vergleich von Al-Anon und CRAFT ist jedoch auch schwierig, da Al-Anon nicht das Ziel verfolgt, eine Veränderung bei dem Betroffenen herbeizuführen. Vielmehr geht es in den Selbsthilfegruppen um die gegenseitige Unterstützung und den Austausch unter den Angehörigen. Da die Selbsthilfegruppen von Al-Anon jedoch häufig als Lösung für betroffene Angehörige vorgeschlagen werden, ist es sinnvoll, auf die Unterschiede einzugehen.

Der Unterschied zwischen CRAFT und Al-Anon im Überblick

  1. CRAFT hat nur wenig bis gar keinen Fokus auf spirituelle Aspekte: Wenn du als Angehörige gerne spirituelle Elemente mit in die CRAFT-Techniken einbeziehen möchtest, dann ist das möglich, aber dir wird nicht vorgegeben, dass es eine „höhere Macht“ gibt.
  2. Mit CRAFT wirst du dazu befähigt, Veränderungen bei dir selbst und dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) vorzunehmen: Im Gegensatz zu Al-Anon musst du dir nicht eingestehen, dass du nicht in der Lage bist, dass Trinken des Betroffenen zu beenden. Stattdessen wirst du lernen, wie du dem Betroffenen helfen kannst, ein Leben ohne Alkohol zu führen und wie du dein Leben unabhängig von der Alkoholsucht gestalten kannst.
  3. Es gibt keine 12-Schritte bei CRAFT: Du wirst Fähigkeiten kennenlernen, die du zu verschiedenen Zeitpunkten und in verschiedenen Situationen anwenden kannst. Es gibt zwar einen Prozess, wie du die einzelnen Fähigkeiten am besten lernen kannst, aber wenn du einmal darin geübt bist, dann kannst du die Techniken so einsetzen, wie sie zu deinen Bedürfnissen und deiner individuellen Situation am besten passen. Du bekommst also einen Werkzeugkasten und kannst dir die Dinge herausnehmen, die für dich am wichtigsten sind.
  4. Du kannst CRAFT allein oder in der Gruppe lernen.

CRAFT vs. Intervention

Die bekannteste Art der Intervention ist die Johnson-Intervention. Der Grundgedanke dahinter ist, dass der Betroffene (ugs. Alkoholiker) seine Alkoholsucht vehement verleugnet und nur die direkte Konfrontation durch die Angehörigen es ihm ermöglicht, sich in Behandlung seiner Alkoholerkrankung zu geben. Der Ansatz der Intervention basiert auf einem unangekündigten Treffen, in welchem der Betroffene von Angehörigen mit dem Alkoholkonsum und allen dadurch verursachten Problemen konfrontiert wird. Während der Intervention sollen die Angehörigen die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf eine sachliche und nicht wertende Art und Weise ausdrücken. Wenn der Betroffene anschließend dazu bereit ist eine Therapie seiner Alkoholabhängigkeit aufzusuchen, dann werden ihm sofort verschiedene Behandlungsoptionen für seine Alkoholkrankheit vorgestellt. Verschiedene Studien belegen, dass der Ansatz der Intervention durchaus wirksam sein kann, um Personen mit einem Alkoholproblem für eine Behandlung zu motivieren. Allerdings sind nur ca. 30 % der Angehörigen dazu bereit, auch tatsächlich eine Intervention durchzuführen, da die meisten durch die sehr konfrontative Methode abgeschreckt werden.

CRAFT ist demnach wirksamer als die Johnson-Intervention, um Menschen mit einem Alkoholproblem (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) in Behandlung zu bringen, da mehr Familien die Techniken von CRAFT auch tatsächlich anwenden. Fast 70 % der Angehörigen, die CRAFT erlernt haben, konnten den Betroffenen innerhalb eines Jahres in Behandlung bringen.

Der Unterschied zwischen CRAFT und der Johnson-Intervention im Überblick

  • CRAFT ist nicht konfrontativ: Stattdessen wird sich auf deine positive und aktive Mitarbeit fokussiert. Du wirst Verhaltensweisen identifizieren, die bisher unbeabsichtigt den Alkoholkonsum gefördert und unterstützt haben. Du wirst lernen, wie du diese Verhaltensweisen beenden und eigene Grenzen setzen kannst. Eine Ehefrau, die beispielsweise bisher immer den Arbeitgeber des Ehemanns angerufen hat, um ihn krank zu melden, obwohl er eigentlich unter den Folgen seines Alkoholkonsums leidet, wird mit Hilfe des CRAFT-Modells lernen, dieses Verhalten in Zukunft zu verändern. Stattdessen wird sie ihm in einem ruhigen Moment erklären, dass sie nicht mehr länger dazu bereit ist, ihn krankzumelden, ihn aber gerne dabei unterstützt, auf Arbeit gehen zu können.
  • Bei CRAFT geht es darum, die Beziehung zu sich selbst und dem Betroffenen zu verbessern: Du lernst praktische Fähigkeiten kennen, die du auf deine eigene, individuelle Situation anpassen kannst, um dich vom Alkoholkonsum des Betroffenen zu lösen. Du wirst auch lernen, wie du dein Leben zurückbekommen und dich wieder auf die Dinge fokussieren kannst, die dir wichtig sind.
  • CRAFT gibt dir die Unterstützung, um eine Veränderung bei dem Betroffenen einzuleiten und dein eigenes Leben zu verändern: Statt einer zeitlich begrenzten Intervention, bei der du nur die Fähigkeiten erlernst, wie du den Betroffene konfrontieren kannst, lernst du bei CRAFT Techniken kennen, die du auch in vielen anderen Bereichen deines Lebens verwenden kannst.
  • Das Modell fokussiert sich darauf, wie und wann dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) eine Behandlung seiner Alkoholsucht vorgeschlagen wird: Dir wird beigebracht, wann ein passender Zeitpunkt für das Gespräch ist und wie du eine Behandlung ansprechen kannst, sodass der Betroffene auch dafür offen ist. Und wenn das Gespräch nicht gut verläuft? Auch darauf geht der Ansatz ein, wie du in diesem Fall reagieren kannst.

Empirische Belege für die Wirksamkeit der CRAFT-Methode

Wenn du jetzt bis hierher gelesen hast und gerne wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von CRAFT haben möchtest, dann findest du in den nachfolgenden Absätze empirische Belege für den Erfolg des Community Reinforcement and Family Training.

Die erste Studie zu CRAFT wurde bereits 1986 (Sisson und Azrin, 1986) durchgeführt. Die Studie zeigte, dass 6 von 7 Angehörigen, die das CRAFT-Modell nutzten, anschließend in der Lage waren, den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) für eine Behandlung seiner Alkoholsucht zu motivieren. Die Betroffenen reduzierten in dieser Zeit ihren Alkoholkonsum um ca. 50 %.

Ebenfalls hat die „National Association of Alcohol Abuse and Alcoholism“ eine Studie (Miller et. al., 1999) zu CRAFT veröffentlicht. Die Familienmitglieder von alkoholabhängigen Angehörigen (einschließlich Ehepartner, Eltern, Geschwister etc.) wurden nach dem Zufallsprinzip drei verschiedenen Therapiemodellen zugeordnet. Von ihnen wurden 1/3 mit dem CRAFT-Modell ausgebildet, das andere Drittel nach dem Ansatz der Johnson-Intervention und das verbleibende Drittel folgte dem Ansatz nach Al-Anon. Die Angehörigen, die das CRAFT-Modell verwendeten, hatten dabei den größten Erfolg. 64 % von ihnen konnten den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) in eine Behandlung seiner Alkoholabhängigkeit bringen. Angehörige, die in den beiden anderen Ansätzen geschult wurden, waren weniger erfolgreich. Bei der Intervention konnten 30 % ihren Angehörigen zu einer Behandlung bewegen, bei Al-Anon waren es nur 13 %.

Unabhängig davon, an welchem Training die Angehörigen teilnahmen, erlebten alle eine Verbesserung ihrer Lebensqualität im Bezug auf Wut, Depressionen und Ängste. Auch die Beziehung zwischen Angehörigen und den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) verbesserte sich.

In einer weiteren Studie sollte festgestellt werden, ob CRAFT auch bei drogenkonsumierenden Betroffenen erfolgreich sein würde. Dafür wurden drei Studien durchgeführt und die Ergebnisse waren ebenfalls zuversichtlich. Eine Studie (Robert Meyers et. al., 1999) zeigte, dass CRAFT bei Personen ebenfalls erfolgreich war, die hauptsächlich Marihuana und Kokain konsumierten. Von 62 durch CRAFT geschulte Angehörigen traten 74 % der betroffenen Personen in die Behandlung ein. In einer Studie (Kirby et al., 1999) aus dem Jahr 1999 erfolgte ein Vergleich mit anderen Ansätzen bei drogenkonsumierenden Jugendlichen. Dazu wurde die Hälfte der teilnehmenden Familienmitglieder zu einer CRAFT-Schulung und die andere Hälfte zu Al-Anon geschickt. Bei den Familienmitgliedern, die in CRAFT geschult wurden, konnten 64 % ihren Angehörigen bei der Aufnahme der Behandlung helfen, während nur 17 % der Familienmitglieder von Al-Anon erfolgreich waren.

In einer Studie (Waldron et al., 2007) aus dem Jahr 2007 sollte ermittelt werden, ob CRAFT auch bei Eltern von Jugendlichen wirksam ist. 42 Eltern erhielten eine Ausbildung darin, wie sie mit Hilfe von CRAFT den Jugendlichen helfen können, eine Behandlung zu beginnen. Die Eltern erlebten eine signifikante Verbesserung ihrer negativen Symptome und 71 % von ihnen schafften es, die bis dahin resistenten Jugendlichen in eine Behandlung zu bringen.

In einer klinischen Kontrollstudie (Brigham et al., 2014) aus dem Jahr 2014 wurde untersucht, ob CRAFT auch dann eingesetzt werden kann, wenn sich ein Jugendlicher bereits in Behandlung befindet. Wie in anderen CRAFT-Studien waren die Eltern von Jugendlichen diejenigen, die am besten abgeschnitten haben.

In der Tabelle kannst du die Ergebnisse von fünf Studien sehen, die durchgeführt wurden, um die Wirksamkeit verschiedener Programme zu bestimmen, die Angehörigen dabei helfen sollen, einen Menschen mit einem Alkoholproblem (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) für eine Behandlung seiner Alkoholkrankheit zu motivieren.


CRAFT Studien

Zusammenfassend zeigten alle Studien, dass das CRAFT-Modell eine wirksame Methode für Angehörige ist, um einen behandlungsresistenten Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu motivieren und ihn zu einer Behandlung seiner Alkoholsucht zu bewegen. Ein zusätzlicher Nutzen besteht darin, dass die Angehörigen durch die Anwendung der Fähigkeiten von CRAFT eine große psychologische Erleichterung erfahren.

Quellen

Studie A: Engaging the Unmotivated in Treatment for Alcohol Problems: A Comparison of Three Strategies for Intervention Through Family Members | William R. Miller, Robert J. Myers, J. Scott Tonigan – University of New Mexico | 1999 American Psychological Association, Inc.

Studie B: COMMUNITY REINFORCEMENT AND FAMILY TRAINING (CRAFT): Engaging Unmotivated Drug Users in Treatment | Robert J. Meyers, William R. Miller, Dina E. Hill, J. Scott Tonigan – University of New Mexico | 1999 Elsevier Science Inc.

Studie C: A Randomized Trial of Two Methods for Engaging Treatment-Refusing Drug Users Through Concerned Significant Others | Robert J. Meyers, William R. Miller, Jane Ellen Smith, J. Scott Tonigan | 2002 Journal of Consulting and Clinical Psychology

Studie D: Engaging resistant adolescents in drug abuse treatment | Holly Barret Waldron, Sheryl Kern-Jones, Charles W. Turner, Thomas R. Peterson, Timothy J. Ozechowski | 2007 Journal of Substance Abuse Treatment

Studie E: Community reinforcement training for family and significant others of drug abusers: a unilateral intervention to increase treatment entry of drug users | Kimberly C. Kirby, Douglas B. Marlowe, David S. Festinger, Kerry A. Garvey, Vincent LaMonaca | 1999 Drug and Alcohol Dependence

Brigham G.S., Slesnick N., Winhusen T.M., Lewis D.F., Guo X., Somoza E. (2014) A randomized pilot clinical trial to evaluate the efficacy of Community Reinforcement and Family Training for Treatment Retention (CRAFT-T) for improving outcomes for patients completing opioid detoxification.

Kirby, K.C., Marlow, D.B., Festinger, D.S., Garvey, K.A.., & LaMonaca, V. (1999). Community reinforcement and family training and significant others of drug abusers: A unilateral intervention to increase treatment entry of drug users. Drug and Alcohol Dependence, 56, 85-96.

Meyers, R.J., Miller, W.R., Hill, D.E., & Tonigan J.S. (1999). Community reinforcement and family training CRAFT): Engaging unmotivated drug users through concerned significant others. Journal of Substance Abuse, 10, 3, 291-308.

Meyers, R.J., Miller, W.R., Smith, J.E., & Tonigan, J.S. (2002). A randomized trial of two methods for engaging treatment-refusing drug users through concerned significant others. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 70, 1182-85.

Miller, W.R., Meyers, R.J., & Tonigan J.S. (1999). Engaging the unmotivated in treatment for alcohol problems: A comparison of three intervention strategies. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 67, 688-97.

Sisson, R.W., & Azrin, N.H. (1986). Family-member involvement to initiate and promote treatment of problem drinkers. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 17, 15-21.

Substance Abuse and Mental Health Services Administration, 2003, Reasons for Not Receiving Substance Abuse Treatment.

Waldron, H.B., Kern-Jones, S., Turner, C.W., Peterson, T.R., & Ozechowski T.J. (2007). Engaging resistant adolescents in drug abuse treatment. Journal of Substance Abuse Treatment, 32, 133-42.

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

Jetzt Unterstützung erhalten

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Vereinbare ein Beratungsgespräch und erhalte konkrete Handlungsmöglichkeiten.
Jetzt Beratungsgespräch vereinbaren

Wenn Alkohol zum Problem wird.
Hilfe für Familie und Freunde.

© 2021 Challenge-A