Alkoholismus: Zwei Dinge, die Angehörige wissen müssen

Alkoholismus: Zwei Dinge, die Angehörige wissen müssen

Häufig berichten mir Familien und Freunde von Menschen mit einem Alkoholproblem (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) von dem Gefühl, dass sie keine Kontrolle mehr über ihr Leben und weniger Selbstvertrauen haben und das sie immer seltener schöne Momente erleben. Nicht selten fühlen sie sich hilflos, wissen nicht, was sie noch tun können und wie sie es schaffen, dass die Alkoholsucht eines nahen Menschen nicht mehr im Mittelpunkt ihres Lebens steht.

In diesem Beitrag soll es darum gehen, was du mit Hilfe des CRAFT-Modells tun kannst, um deine eigene Lebensqualität wieder zu verbessern und wie du mit einer Veränderung deines Verhaltens auch den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) bei der Bewältigung seiner Alkoholerkrankung unterstützen kannst.

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Alkoholismus: Zwei wichtige Faktoren für Angehörige

Vielleicht kennst du auch dieses Gefühl, dass du nicht mehr der Mensch bist, der du einmal warst und du zu jemanden geworden bist, den du nicht wiedererkennst und eigentlich auch nicht sein magst. Vielleicht hast du Angst, dass du für den Rest deines Lebens diese Person bleiben wirst. Nicht selten kommt es vor, dass die Angehörigen von Menschen mit einem Alkoholproblem (ugs. Alkoholiker) die Zufriedenheit mit sich und ihrem Leben verlieren. Der Verlust des Selbstvertrauens, Schuldgefühle, Scham, Wut und andere negative Emotionen, verbunden mit dem Gefühl im Leben nicht voranzukommen, sind typische Reaktionen, die Familien und Freunde auf Grund der Alkoholsucht einer nahen Person erleben.

Faktor Nr. 1: Du trägst keine Schuld an dem Alkoholproblem

Du bist nicht dafür verantwortlich, dass der Betroffene (ob Ehemann, Ehefrau, Bruder, Schwester, Kind, Mutter oder Vater) zu viel Alkohol konsumiert. Fällt es dir vielleicht noch schwer das zu glauben? Vielleicht liegt das daran, dass du schon öfters Sätze hören musstest, wie: „Wenn du mich endlich in Ruhe lassen würdest, müsste ich nicht so viel Alkohol trinken.“. Nimm dir einen Moment Zeit, um über die Alkoholsucht des Betroffenen nachzudenken:

  • Wolltest du, dass er ein Alkoholproblem entwickelt?
  • Hast du ihn zum Alkoholkonsum gebracht?

Natürlich nicht!

Du bist nicht für die Alkoholerkrankung des Betroffenen verantwortlich und hast ihn auch nicht dazu gebracht, dass er zu viel Alkohol konsumiert. Auch wenn der Betroffene ein Problem damit hat, endlich mit dem Trinken aufzuhören, trägst du keine Schuld daran, dass er überhaupt diese Alkoholkrankheit entwickelt hat.

Wenn du immer noch nicht überzeugt bist, dass du deine keine Schuld hast, dann denke einmal über die nachfolgenden Aspekte nach:

  • Hilft es dir und dem Betroffenen, wenn du dir die Schuld gibst?
  • Helfen dir die Schuldgefühle, um den Betroffenen bei der Bewältigung des Alkoholismus zu unterstützen und für dich selbst zu sorgen?
  • Sind deine Gefühle hilfreich oder halten sie dich nur in dem negativen Kreislauf des Alkoholismus gefangen?

Auch wenn du weiterhin der Meinung bist, dass du eine Teilschuld trägst (was definitiv nicht der Fall ist), erkennst du hoffentlich, dass diese Schuldgefühle keine wirksame Strategie und auch keine gute Basis sind, um deine Lebensqualität wieder zu verbessern.

Du bist nicht hilflos

Auch wenn du keine Verantwortung für den Alkoholkonsum des Betroffenen übernehmen sollst, bedeutet das nicht, dass du auch hilflos im Umgang mit der Alkoholsucht sein musst. Es ist an der Zeit, dass du für die Alkoholabhängigkeit nicht mehr mit deiner Zeit, Energie, Gesundheit und emotionalen Wohlbefinden bezahlst.

Um das zu erreichen gibt es zwei Faktoren, die du berücksichtigen solltest, um den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu unterstützen und dein Leben von dem Alkoholkonsum zu lösen.

  1. Der erste Schritt ist, dass du dir eine Pause gönnst und damit aufhörst, Verantwortung für die Alkoholkrankheit des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu übernehmen.
  2. Der zweite Schritt liegt in der Erkenntnis, dass du ein liebenswerter Mensch bist, der es verdient und ein Recht darauf hat, ein Leben zu führen, dass nicht von der Alkoholsucgt eines anderen Menschen bestimmt wird.
Es ist an der Zeit, dass du wieder Verantwortung für dein Leben übernimmst und nicht für den Alkoholismus des Betroffenen.

Fokussiere dich auf dich selbst

Das erste was du tun kannst, um dein Leben von der Alkoholsucht des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) wieder zurückzubekommen, ist das du dich wieder auf dich selbst fokussierst. Wahrscheinlich kümmerst du dich schon lange um den Betroffenen und auch andere Familienmitglieder. Daran ist auch nichts falsch, aber es ist jedoch häufig so, dass man sich nicht mehr um sich selbst sorgt.

Die Zeit, Energie, emotionale und finanzielle Ressourcen werden für den Betroffenen eingesetzt, was auch durchaus verständlich ist. Aber diese Ressourcen sind in der Regel begrenzt und Angehörige nutzen diese meistens soweit wie möglich für alle anderen Menschen aus, jedoch nicht für sich selbst.

Die Relevanz der Selbstfürsorge darf nicht unterschätzt werden. Indem du den Fokus wieder auf dich richtest, überträgst du die Verantwortung für dein Leben wieder dir selbst. Es geht darum, die eigene Lebensqualität zu verbessern, indem du deine Speicher der emotionalen und körperlichen Gesundheit wieder auffüllst und anschließend deine Energie auch wieder für andere Menschen effektiv einsetzen kannst.

Wann hast du das Gefühl, dass dein Körper voller Kraft und Energie ist?

  • Wenn du ausgeschlafen und ausgeruht bist?
  • Wenn du dich mit einem Freund ausgetauscht hast, der dich unterstützt?
  • Wenn du im Fitnessstudio warst oder einem Hobby nachgegangen bist?

Wann hast du das Gefühl, dass du nicht mehr die Person bist, die du eigentlich sein willst?

  • Wenn du krank bist?
  • Wenn du zu wenig Schlaf hast und müde bist?
  • Wenn du nicht die Zeit findest, um deine Freunde und Familie zu sehen?
  • Wenn du nicht deinen Hobbys und Interesse nachgehen kannst?

Die Selbstfürsorge ist nicht nur für dein eigenes Wohlbefinden wichtig, sondern auch dafür, dass du wieder die Person sein kannst, die du auch sein möchtest. Weil deine Ressourcen begrenzt sind, musst du diese regelmäßig wieder auffüllen. Das erreichst du, indem du etwas unternimmst was dir Freude bereitet, dich um deinen Köper kümmerst und dich mit Dingen beschäftigst, die dein Selbstvertrauen wieder stärken.

Wie würde dein Leben aussehen, wenn du die gleiche Zeit, Energie und Ressourcen für dich aufbringen würdest, die du ansonsten für den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) verwendest? Womit kannst du noch heute anfangen, damit du dich wieder um dich selbst kümmerst?

Verändere dein Verhalten

Im Laufe der Zeit musstest du wahrscheinlich feststellen, dass Schreien, Nörgeln, Streiten und Verhandeln keine wirksamen Methoden sind, um den Alkoholkonsum des Betroffenen zu verändern. Trotz der besten Argumente, Drohungen und einschneidenden Erlebnissen, wirken diese Maßnahmen leider in den seltensten Fällen.

Fragst du dich auch manchmal nach dem warum? Warum funktionieren diese Methoden nicht? Warum sieht der Betroffene (ugs. Alkoholiker) nicht ein, endlich mit dem Trinken aufzuhören? Warum kann er nicht sehen, welche negativen Folgen seine Alkoholsucht hat?

In den nächsten Absätzen werde ich auf einige grundlegende und wichtige Aspekte des CRAFT-Modells eingehen und dir erklären, warum all deine Versuche und Strategien bisher nicht funktioniert haben. Du wirst Faktoren kennenlernen, die dich dabei unterstützen, dein eigenes Leben und das von dem Betroffenen maßgeblich zu verändern. Du wirst erfahren, wie du mit einer Veränderung deines Verhaltens, auch die Chance auf eine Veränderung bei dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) bewirken kannst.

Faktor Nr. 2: Mit positiven Verstärkungen (Belohnungen) den Nichtkonsum von Alkohol fördern

Nach der Verhaltenslehre wiederholen wir Menschen ein Verhalten, dass positiv verstärkt oder belohnt wird. Die Verstärkung bezieht sich also auf die Neigung von uns Menschen, dass wir uns auf eine Verhaltensweise einlassen, die sich für uns lohnen kann. Die jahrelange Forschung zeigt uns, wie stark Belohnungen unser Verhalten beeinflussen können. Beispielsweise stellt der Faktor Geld für die meisten Menschen eine unglaublich wichtige Belohnung für ihre Arbeit dar.

Wenn wir etwas Neues lernen, dann häufig deswegen, weil wir eine Belohnung oder eine Verstärkung davon erwarten. 

Ein typisches Beispiel ist, wie wir einem Kind beibringen, dass es seine Schuhe selbst zuzubinden oder den Geschirrspüler einräumen soll. Unter normalen Umständen verwenden wir dafür Belohnungen. Wir verwenden Worte wie „Das ist richtig so!“ oder „Das hast du gut gemacht!“. Aber auch ein Schulterklopfen, den Kopf streicheln oder ein Lächeln kann eine Belohnung sein.

Die positive Verstärkung ist ein effektiver Weg, um andere (und uns selbst) dazu zu bringen, eine bestimmte Handlung vorzunehmen. Nehme wir an, dein Ziel ist es, dass dein Kind dir nach dem Abendessen dabei hilft, dass Geschirr abzuwaschen. Du kannst versuchen dein Kind anzuschreien, aber das wird vermutlich euch beide nur unglücklich machen. Denn sehr wahrscheinlich schreist du nicht gerne, dein Kind wird nur verärgert sein und letztendlich macht vielleicht niemand den Abwasch.

Statt zu schreien, könntest du deinem Kind auch anbieten, dass es etwas länger wach bleiben darf, wenn es dir beim Abwasch hilft. Das wird vermutlich eher dazu führen, dass dein Kind das Geschirr „gerne“ abspült oder zumindest einen „Sinn“ dahinter sieht und du dich gut fühlst, weil du nicht erst schreien musstest, damit die Hausarbeit erledigt wird.

Um mit positiven Verstärkungen gute Ergebnisse zu erzielen, gibt es bei der Anwendung bestimmte Faktoren zu beachten:

  1. Eine Belohnung ist nur dann eine Belohnung, wenn die Person, die sie erhält, sich auch diese wünscht. Positive Verstärkungen funktionieren also nicht, wenn die Person diese gar nicht will oder sich etwas anderes erhofft. Wenn du dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) als Belohnung einen Tag im Spa versprichst, er aber überhaupt keine Lust darauf hat, dann kann diese Belohnung keine Wirkung zeigen.
  2. Jede Situation, jedes Verhalten und jedes Wort kann eine Belohnung sein. Oftmals betrachten wir nur Gegenstände, Geld oder Gefälligkeiten als Belohnung. Diese können natürlich eine sein, aber sie sind nicht die einzige Möglichkeit. Auch deine positive Aufmerksamkeit (Zuhören, Unterstützen, Lieben usw.) sowie Worte der Ermunterung und Zuneigung oder eine Umarmung sind eine Belohnung für den Betroffenen und kosten nichts. Positive Verstärkungen müssen also nicht zwingend einen materiellen Wert haben, dass wichtige ist, dass sich die Person, die du damit belohnst, über deine Belohnung freut und es sich wünscht.
  3. Auch der Konsum von Alkohol ist eine Belohnung. Das Trinken ist sogar so lohnend, dass selbst die negativen Folgen des Konsums nicht stark genug sind, um den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) vom Alkohol abzuhalten. Du musst dir also positive Verstärkungen einfallen lassen, die mindestens genauso lohnend wie Alkohol sind oder mehrere Belohnungen müssen als Summe die Wirkung des Alkohols ausgleichen.

Es gibt viele Situationen, Ereignisse, Gegenstände oder Handlungen, die als Belohnung zum Ausgleich für Alkohol verwendet können. Zum Beispiel kann ein Spaziergang oder ein Lauf durch den Park auch die Energie, Entspannung und weitere positive Faktoren hervorrufen, die ansonsten mit dem Konsum von Alkohol verbunden werden. Auch nüchterne Phasen, in denen Hobbys und Interessen nachgegangen werden, können Gefühle der Freude und Selbstvertrauen hervorrufen. Obwohl es schwierig sein kann, eine einzige nüchterne Belohnung ausfindig zu machen, die so stark wie Alkohol wahrgenommen wird, kann die Gesamtsumme mehrere Belohnungen mindestens gleich oder sogar höher sein. Unterschätze also nicht die Macht von kleinen und regelmäßigen Belohnungen bei der Veränderung deines Verhaltens. Deine positive Aufmerksamkeit, wenn der Betroffene nüchtern ist, kann im Laufe der Zeit und bei konsequenter Anwendung ebenso das Potenzial haben, dass der Betroffene häufiger nüchtern ist und mehr Zeit mit dir verbringt.

Beispiel für die Verwendung von positiven Verstärkungen

In diesem Beispiel geht es um ein Ehepaar. Der Ehemann ist seit vielen Jahren ein starker Trinker (ugs. Alkoholiker) und beginnt seinen Feierabend häufig damit, dass er sich eine Flasche Bier öffnet. Er macht das, damit er sich von seinem Arbeitstag erholen und entspannen kann. Seine Ehefrau weiß, dass er viel Stress auf Arbeit hat und dass der Alkoholkonsum seine Art ist, um mit Belastungen umzugehen. Sie weiß auch, dass wenn er erstmal das erste Bier geöffnet hat, er typischerweise bis spät in die Nacht trinkt und es schlussendlich zu einem Streit kommt, der häufig damit endet, dass sie im Zimmer ihrer Tochter schläft.

An einem Abend, noch bevor der Ehemann sein erstes Feierabendbier öffnen konnte, hat sie ihn damit überrascht, dass sie einen Babysitter organisiert hat und sie gemeinsam zu einer Massage gehen konnten. Obwohl ihr Ehemann auch nach der Massage noch Alkohol getrunken hat, war es doch viel weniger als sonst üblich. An einem anderen Abend hat sie einen guten Freund zum Abendessen eingeladen. Dieser Freund trinkt unter der Woche keinen Alkohol und sie weiß, dass ihr Ehemann in seiner Gegenwart dann auch keinen Alkohol trinkt. An diesem Abend haben sich die Beiden so gut und so lange unterhalten, dass es sehr spät wurde und er ohne Alkohol zu trinken ins Bett gegangen ist. Durch die sorgfältige Planung der Ehefrau war es ihr gelungen, Aktivitäten für ihren Ehemann zu arrangieren, die zumindest für ein paar Stunden lohnender waren als der Konsum von Alkohol. Das ist zwar keine vollständige Lösung, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Durch die zusätzliche Zeit und Aufmerksamkeit hat sie es geschafft Belohnungen einzusetzen, statt zu nörgeln, schreien oder im Streit auseinander zu gehen und die Situation hat angefangen sich zu verbessern.

Warum Bestrafungen nicht sinnvoll sind

Eine Bestrafung bedeutet, dass wir etwas tun, damit ein unerwünschtes Verhalten nicht noch einmal wiederholt wird. Im Gegensatz zu einer Belohnung, die positive Erfahrungen hervorruft und regelmäßig verwendet werden kann, sollte eine Bestrafung möglichst selten und am besten gar nicht erfolgen. Eine Bestrafung ist mit vielen negativen Auswirkungen verbunden und kann beispielsweise dazu führen, dass sich die bestrafte Person ängstlich oder wütend gegenüber demjenigen verhält, der die Bestrafung ausgesprochen hat. Darüber hinaus zeigt die Bestrafung dem Menschen nicht, was er anstelle des unerwünschten Verhaltens hätte tun sollen, sondern nur, was er nicht tun sollte.

Wenn zum Beispiel Eltern ihrem Kind den Hinter verhauen, weil es seinen Bruder geschlagen hat, dann können sie es vorübergehend davon abhalten, dass es den Bruder noch einmal schlägt. Daraus lernt es jedoch nicht was es in Zukunft machen soll, wenn es wieder wütend auf seinen Bruder ist. Die Bestrafung der Eltern kann das Kind zudem auch dahingehend verwirren, weil es seinen Bruder nicht schlagen darf, aber die Eltern dürfen Gewalt anwenden. Es kann wütend und ängstlich auf die Eltern werden und dem Bruder damit drohen, dass er es nicht noch einmal den Eltern verraten soll, weil es ihm ansonsten noch mehr weh tut.

Eine Bestrafung kann also zu einem kurzfristigen Rückgang des falschen Verhaltens und zu einem Gefühl der Befriedigung bei der bestrafenden Person führen, aber die Folgen und Kosten einer Bestrafung sind zu hoch und rechtfertigen es nicht, diese Methode anzuwenden. 

Oft können wir den gleichen Effekt (Verringerung des falschen Verhaltens) auch erzielen, indem wir ein erwünschtes Verhalten verstärken (bspw., wenn das Kind wütend ist, soll es den Raum verlassen und erst wiederkommen, wenn es sich beruhigt hat und den Streit ohne Aggressionen lösen kann). 

Eine Bestrafung sollte immer beim Umgang mit Alkoholismus immer die letzte Wahl sein, nicht die Erste. Die Veränderung von einem nicht erwünschten Verhalten (bspw. Alkoholkonsum) kann man effektiver mit Verstärkungen und Belohnungen erzielen.

Welche Belohnungen kannst du einsetzen, um den Betroffenen für ein nüchternes Verhalten zu motivieren? Notiere deine Gedanken.

Übung: Positive Verstärkungen nutzen

  • Denke an ein nüchternes Verhalten des Betroffenen, von dem du dir wünschst, dass es mehr davon geben sollte. Es kann beispielsweise etwas sein, dass er bereits tut, aber bisher nur selten oder etwas, was er früher häufiger getan hat, als er noch weniger oder gar keinen Alkohol getrunken hat. Beispielsweise das ihr nach dem Abendessen noch eine Runde spazieren oder ihr ins Kino geht.
  • Überlege dir eine Belohnung, die du verwenden kannst, wenn er sich so verhält, wie du es dir wünschst oder wie du eine Gelegenheit schaffen kannst, damit er das gewünschte Verhalten zeigt. Du könntest beispielsweise den Betroffenen darum bitten, nach dem Abendessen noch eine Runde gemeinsam spazieren zu gehen (unter der Bedingung, dass er keinen Alkohol getrunken hat).
  • Überlege dir verschiedene Möglichkeiten, wie du nüchternes Verhalten belohnen und Gelegenheiten schaffen kannst, um das gewünschte Verhalten zu fördern.

Vermeide Situationen mit Konfliktpotenzial

Eine sehr wirksame Strategie, die du ebenfalls anwenden kannst, wenn der Betroffene etwas tut, was dir nicht gefällt, ist das du der Situation aus dem Weg gehst oder ausweichst. Indem du dich von der Situation entfernst, entziehst du dem Betroffenen die Aufmerksamkeit und die Möglichkeit einer Interaktion. Mit deinem Verhalten kannst du also eine klare Botschaft zeigen, dass du dieses Verhalten nicht belohnen wirst. Außerdem kannst du damit auch Konflikte vermeiden, die gegebenenfalls auf Grund der Alkoholsucht entstehen können, wenn du wütend und frustriert auf sein Verhalten reagierst.

So kannst du Situationen mit Konfliktpotenzial aus dem Weg gehen:

  1. Sage dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker), dass du sein Verhalten nicht akzeptierst, indem du eine „Ich“-Aussage (bspw. „Ich bin nicht gerne in deiner Nähe, wenn du Alkohol getrunken hast.“) verwendest.
  2. Verlasse den Ort: Anschließend musst du dich aus der Situation entfernen oder damit aufhören, dich darauf einzulassen. Verlasse zum Beispiel den Raum oder beachte den Betroffenen nicht mehr, wenn er Alkohol trinkt. Indem du weggehst, entziehst du dem Betroffenen die Möglichkeit deiner Liebe, Aufmerksamkeit und anderen Belohnungen.
  3. Schreie ihn nicht an, beschuldige ihn nicht und gehe auf keine Verhandlungen ein: Erinnere dich daran, warum du dich aus der Situation zurückziehst. Weil du möchtest, dass der Betroffene (ugs. Alkoholiker) ein abstinentes Leben führt und du nicht mehr willst, dass dein Leben durch sein Alkoholproblem kontrolliert wird. Du kannst selbst entscheiden, ob du das Gefühl von Rache, verbunden mit einer kurzfristigen Befriedigung erleben möchtest oder ob du das langfristige Ziel verfolgst, deinen Angehörigen zu unterstützen ein nüchternes Leben zu führen.
  4. Belohne dich selbst: Wenn du dich aus der Situation entfernst, dann unternehme anschließend etwas, dass für dich selbst eine Belohnung darstellt. Lese ein Buch, nehme ein Bad oder gönne dir einfach eine Pause, indem du spazieren gehst oder Freunde besuchst. Mit deiner Entscheidung der Situation aus dem Weg zu gehen, triffst du auch die Entscheidung, dass du nicht mehr länger der Puffer bist, der den Schaden abfängt, den die Alkoholsucht bei dem Betroffenen verursacht.
Der Betroffene hat sich dazu entschieden Alkohol zu trinken und es ist nicht deine Aufgabe, ihn vor den negativen Folgen des Alkoholkonsums zu schützen. Du musst ihn weder vor peinlichen Situationen bewahren noch vor möglichen Schäden, die ihm zustoßen könnten, wenn du weggehst.

Mit dieser Methode hast du es selbst in der Hand, dich dem Alkoholproblem des Betroffenen zu entziehen. Sie unterbricht den Teufelskreis des Alkoholismus und gibt dir die Möglichkeit, dich wieder auf dein eigenes Leben zu fokussieren.

Übung: Kritischen Situationen aus dem Weg gehen

  • Denke an ein Verhalten des Betroffenen, dass du gerne beenden oder verringern möchtest. Beispielsweise das dich der Betroffene (ugs. Alkoholiker) häufig nach dem Konsum von Alkohol beleidigt und behauptet, dass du der Grund bist, warum er überhaupt trinkt.
  • Überlege dir eine „Ich“-Aussage, die du in Zukunft verwenden wirst, wenn der Betroffene sich wieder negativ verhält. Beispielsweise „Ich weiß, dass du einen stressigen Arbeitstag hattest und dich entspannen möchtest. Ich bin nicht gerne in deiner Nähe, wenn du Alkohol getrunken hast. Gerne möchte ich mit dir darüber sprechen, wie ich dich nach einem stressigen Arbeitstag unterstützen kann, wenn du keinen Alkohol getrunken hast.“.
  • Erstelle einen Plan, wie du der Situation aus dem Weg gehen kannst. Wirst du den Raum verlassen? Wohin gehst du? Was wirst du machen, wenn der Betroffene (ugs. Alkoholiker) weiter deine Aufmerksamkeit haben möchte und er dir folgt?
  • Womit wirst du dich belohnen, wenn du der Situation erfolgreich aus dem Weg gegangen bist?

Das ist wichtig zu wissen, wenn du die Techniken des CRAFT-Modell anwendest

  1. Die Anwendung der vorgestellten Methoden erfordert Zeit und Übung. Wie bei jeder neuen Fähigkeit, musst du auch diese mehrmals üben und es wird einige Zeit benötigen, um sie zu erlernen. Doch die Ergebnisse, die du damit erzielen kannst, lohnen sich. Also gib nicht auf!
  2. Vielleicht funktionieren die vorgestellten Strategien nicht sofort. Vielleicht musst du dir mehrere Belohnungen einfallen lassen und sie möglicherweise einige Male ausprobieren, bevor du damit erfolgreich bist. Du musst es vielleicht auch mehrere Male üben, wie du einer Situation am besten aus dem Weg gehen kannst. Erinnere dich dabei an deine langfristigen Ziele: Den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu unterstützen ein nüchternes Leben zu führen und dein eigenes Leben wieder zurückzubekommen. Es benötigt Zeit, um langfristige Ziele zu erreichen.
  3. Bleibe deinen Kräften entsprechend konsequent. Wenn du dich dazu entschlossen hast, dass du nicht mehr in der Nähe des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) sein möchtest, wenn er Alkohol getrunken hat, dann versuche dieses Ziel auch zu erreichen. Mit positiven Verstärkungen kannst du viel bewirken und auch mit nur gelegentlichen Belohnungen kannst du bereits viel bei dem Betroffenen erreichen. Sofern die Belohnungen für den Betroffenen sinnvoll sind, sie dich nicht in Gefahr bringen und mit deinen Werten übereinstimmen, solltest du sie konsequent beim Umgang mit der Alkoholerkrankung anwenden und Situationen mit Konfliktpotenzial aus dem Weg gehen.
  4. Das ist nur eine kurze Einführung dazu gewesen, wie du zwei Techniken des CRAFT-Modells einsetzen kannst, um die Beziehung zu dem Betroffenen zu verbessern, ihn zu motivieren eine Behandlung seiner Alkoholkrankheit zu beginnen und wieder mehr Kontrolle über dein Leben zu erlangen. Wenn du mehr erfahren darüber möchtest, dann ist lass uns in einem kostenlosen und persönlichen Gespräch dazu austauschen.

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

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