Alkoholismus in der Weihnachtszeit: Drei Tipps für Angehörige

Alkoholismus in der Weihnachtszeit: Drei Tipps für Angehörige

In den vergangenen Tagen haben mich viele Fragen von Angehörigen zu den anstehenden Weihnachtsfeiertagen erreicht. 

  • Wie soll ich mich verhalten?
  • Worauf soll ich achten?
  • Wie würdest du in meiner Situation vorgehen?

Wenn man in seinem Umfeld einen Menschen mit einem Alkoholproblem (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) hat, dann können die eigentlich schönen Gedanken an die Weihnachtszeit auch zu Sorgen werden.

Als Angehörige wünscht man sich einfach nur, dass die Feiertage eine besinnliche Zeit werden. Man hofft darauf, dass der Betroffene (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) keinen Alkohol trinkt und nüchtern bleibt, damit die Tage ihren Weihnachtszauber behalten.

Vielleicht planst du ja einen Besuch bei deiner Familie, aber du kannst nicht einschätzen, wie die Situation zu Hause sein wird. Oder vielleicht hast du mit dem Betroffenen gemeinsame Kinder und wünschst dir einfach nur, dass deine Kinder eine tolle Weihnachtszeit mit Mama und Papa haben werden.

Ich kann verstehen, wenn du dich so fühlst. Seit meiner Kindheit habe ich eine wirkliche hohe Erwartungshaltung an die Weihnachtstage. Ich liebe es, wenn die Wohnung dekoriert ist, wenn es leckeres Essen gibt und wenn die Familie zusammenkommt, um gemeinsam Spaß zu haben und eine gemütliche Weihnachtszeit zu verbringen.

Aber je näher früher die Weihnachtsfeiertage kamen, desto nervöser wurde ich. Im Hinterkopf hatte ich immer die Angst und Sorge, dass meine Mama über die Weihnachtstage Alkohol trinken und dadurch die erhoffte friedliche Weihnachtszeit kaputt gehen wird.

Die Realität war dann doch häufig eine andere. Nicht selten war die Tage vor den Feiertagen eine absolute Katastrophe. Es wurde getrunken, es gab Streit, es wurde laut und das zwischenmenschliche Verhältnis sank auf einen Tiefpunkt. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Weihnachtsfeiertage. Ich erinnere mich daran, wie oft ich mich gefragt habe, warum können wir nicht einfach eine schöne Weihnachtszeit haben? Das alles könnte doch so wundervoll sein, wenn da nicht dieses Alkoholproblem wäre.

Aber diese Gedanken haben mir nicht weitergeholfen. Die Situation wurde dadurch auch nicht besser. Damit du besser vorbereitet in die Weihnachtszeit gehen kannst, habe ich dir drei Tipps in diesem Artikel zusammengefasst.

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Alkoholismus: Drei Tipps für Angehörige, wenn Alkohol in der Weihnachtszeit zum Problem wird

In den nachfolgenden Absätzen findest du meine drei Tipps, die dir dabei helfen sollen, eine glückliche Weihnachtszeit, trotz der Krankheit Alkoholismus eines nahen Menschen, zu erleben.

1. Beschäftige dich nicht weiter mit der Frage, warum der Betroffene Alkohol trinkt.

Alkoholismus ist eine Krankheit und der Betroffene verspürt den Zwang danach, Alkohol zu konsumieren. Das ist die Antwort auf deine Frage. Je eher du damit aufhörst, dich immer wieder zu fragen, warum und weshalb der Betroffene (ugs. Alkoholiker) nun gerade jetzt Alkohol trinken muss, desto eher wird sich auch deine Situation verbessern. 

Um das zu verdeutlichen, bitte denke einmal über die folgenden Fragen nach:

  • Welcher Mensch würde sich bewusst dazu entscheiden, lieber den Tag im Alkoholrausch zu verbringen, anstatt mit den gemeinsamen Kindern unter dem Weihnachtsbaum zu spielen?
  • Wer würde sich dazu entscheiden, lieber eine "vorgetäuschte" Art von Glücksgefühl auf Grund des Alkohols zu empfinden, anstatt die wahre Freude, gemeinsam mit der Familie zu lachen?
  • Wer würde lieber den Konsum von Alkohol vorziehen, anstatt einen kuscheligen Moment mit der Partnerin auf der Couch zu genießen?

Unter "normalen" Umständen würde niemand den Alkohol anderen Dingen vorziehen. Außer man ist krank und Alkoholismus ist eine Krankheit. Der Betroffene ist krank. 

Je mehr du versuchst, den Grund für den Alkoholkonsum zu verstehen, desto trauriger wirst du nur werden, weil sich deine Gedanken dann nur die ganze Zeit um das Alkoholproblem drehen werden.

2. Habe einen Plan für den Fall parat, dass der Betroffene Alkohol konsumiert und nicht mit zu einem geplanten Weihnachtsessen gehen möchte.

Vielleicht hast du ja eine Einladung für ein gemeinsames Familienessen oder ein Treffen mit Freunden bekommen und machst dir nun Sorgen, ob du lieber Zu- oder Absagen solltest, weil du nicht einschätzen kannst, wie der Zustand des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) an diesem Tag sein wird.

Meine Empfehlung: Mach dir einen Plan für den Fall, dass der Betroffene vor dem Treffen Alkohol konsumiert und dann nicht mitkommen möchte.

Mit anderen Worten: Was wirst du tun, wenn der Betroffene betrunken ist? 

Vielleicht ist deine Antwort aktuell darauf: "Ich weiß gar nicht, was ich in diesem Moment dann tun soll." Auch das ist verständlich und genau deswegen habe ich diesen Artikel verfasst. 

Falls der Moment kommt und ihr eigentlich zu einem geplanten Weihnachtsessen gehen wollt, aber der Betroffene Alkohol getrunken hat und auf einmal keine Lust mehr hat, mit zu diesem Treffen zu gehen, dann liegt die Entscheidung darüber, ob du allein gehen wirst oder nicht, ganz bei dir.

Meine Empfehlung: Entscheide dich ganz bewusst dafür, trotzdem zu dem geplanten Treffen zu gehen und eine schöne Zeit zu erleben. Treffe nicht die ungesunde Entscheidung, dass Weihnachtsessen abzusagen, sondern halte an deinem Plan fest. Du kannst auch ohne den Betroffenen dahin gehen und du wirst auch ohne ihn Spaß haben. Du wirst überrascht sein, wie gut du dich während und nach dem Treffen fühlen wirst.

Für dich hat das sogar einen Vorteil, wenn du nur allein dorthin gehst: Du musst nicht ständig auf den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) achten und dir Sorgen darüber machen, ob er Alkohol trinkt. Du musst dich nicht für das eventuell negative Verhalten von ihm schämen oder entschuldigen.

Die einzige Person, für die du in dieser Zeit verantwortlich bist, bist du selbst. Und vielleicht noch für deine Kinder, falls du welche hast.

Ich verspreche dir, es wird sich lohnen zu diesem Treffen zu gehen. Auch wenn du nur fünf Minuten Spaß haben solltest, ist das noch immer besser, als den ganzen Abend zu Hause zu sitzen, sich darüber zu ärgern und enttäuscht darüber zu sein, dass der Betroffene mal wieder Alkohol getrunken hat und dadurch alle Pläne über den Haufen geworfen worden sind.

3. Habe einen Plan für den Fall parat, dass der Betroffene während eines Weihnachtsessens beginnt Alkohol zu trinken.

Nehmen wir an, du und der Betroffene seid zu dem geplanten Weihnachtsessen gefahren. Bis hier ist auch alles gut, weil kein Alkohol im Spiel ist und du die Zeit genießen kannst. Aber dann musst du leider dabei zusehen oder merkst es am Geruch, dass der Betroffene nun doch Alkohol trinkt. Deine Kehle zieht sich zusammen und deine Laune sinkt auf den Tiefpunkt. Du bist vermutlich am Boden zerstört.

Vielleicht kennst du ja diese oder eine ähnliche Situation. Aber die gute Nachricht ist: Es gibt keinen Grund dafür, dass du die Hoffnung verlierst. 

Du bist gegenüber der Krankheit Alkoholismus nicht hilflos. 

Atme in diesem Moment tief ein und sage zu dir selbst "Ich bin eine starke Person, ich habe die Kraft!". Du hast selbst die Wahl, was du als Nächstes tun wirst.

Du kannst beispielsweise das gemeinsame Weihnachtsessen ohne den Betroffenen verlassen. Rufe dir ein Taxi oder frage eine Freundin, ob sie dich nach Hause fahren kann.

Oder du akzeptierst die Situation und sagst in dem Moment nichts zu dem Betroffenen. Stattdessen überlegst du für dich selbst, ob du in Zukunft solche Treffen vermeiden möchtest oder ob du die Gastgeber darum bitten wirst, dass es keinen Alkohol geben wird.

Ganz wichtig: Auch wenn es eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber solltest du dich dazu entscheiden, den Betroffenen in diesem Moment nicht auf sein Trinken anzusprechen und ihr mit dem Auto zum Weihnachtsessen gekommen seid, dann stelle bitte unbedingt sicher, dass du die Autoschlüssel hast und du das Fahrzeug zurück fahren wirst. Bitte steige nicht in den Wagen ein, wenn der Betroffenen Alkohol getrunken hat. Ansonsten bist du der Gefahr eines Unfalls ausgesetzt und riskierst dein Leben. Falls sich der Betroffene weigert, dir die Schlüssel für das Auto zu geben, dann entscheide dich für Option 1 und rufe dir ein Taxi.

Glaube mir, du bist in dieser Situation nicht allein. Es gibt so viele Angehörige, die regelmäßig vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Du musst nicht das Gefühl haben, dass du keine Wahl hast.

Du kannst selbst entscheiden. Du bist nicht hilflos. Du hast die Wahl zwischen verschiedenen Optionen.

Indem du dich für eine der beiden Optionen entscheidest, nimmst du die Herausforderung bereits selbst in die Hand und wirst nicht zum Spielball der Alkoholsucht des Betroffenen. Durch deine Entscheidung zeigst du auch dem Betroffenen, dass sein Trinken negative Konsequenzen für ihn hat.

Vielleicht erscheint die Vorstellung für dich zunächst beängstigend oder unangenehm. Aber erinnere dich daran, es wird sich nie etwas ändern, wenn du nur alte Verhaltensweisen einfach wiederholst. 

Du schaffst das. Habe Vertrauen in dich selbst. Du bist nicht allein.

Alkoholismus von erwachsenen Kindern in der Weihnachtszeit: Tipps für Eltern 

Es kann es ja auch sein, dass der Betroffene (ugs. Alkoholiker) gar nicht dein Partner, Papa oder deine Mama ist. Sondern es sich um dein (erwachsenes) Kind handelt. Dann ist es wichtig, dass du dich immer wieder an folgendes erinnerst: Es nicht deine Schuld. Du bist eine wundervolle Mama oder ein wundervoller Papa. Sonst würdest du diesen Artikel hier erst gar nicht lesen.

Du sorgst dich um dein Kind, weil du es liebst. Und ich weiß, dass du alles für dein Kind geben würdest, damit es in Zukunft keinen Alkohol mehr trinkt. 

Falls dein Kind über die Weihnachtsfeiertage betrunken ist, dann treffe für dich selbst die Entscheidung, dass du mit deinem Kind zu einem späteren, nüchternen Zustand über die Konsequenzen seines Verhaltens sprichst. Sage ihm, dass du es in Zukunft nicht mehr zu gemeinsamen Familienessen einladen wirst, sollte es noch einmal alkoholisiert bei den Treffen sein. Ich kann verstehen, wenn das für dich hart oder vielleicht sogar grausam erscheint. Immerhin ist es ja dein Kind und du willst es eigentlich nicht allein lassen. Aber dein Kind muss die Konsequenzen seines Handelns zu spüren bekommen. Es muss die negativen Folgen wahrnehmen können, damit es überhaupt an einen Punkt kommen kann, an dem es selbst etwas ändern möchte. Auch wenn es für dich eine schwere Entscheidung ist, so ist es doch die Richtige.

Mit diesem Verhalten unterstützt du auch dein Kind bei der Bewältigung der Krankheit Alkoholismus. Es muss die negativen Folgen seines Trinkens wahrnehmen können.

Achte bei dem Gespräch darauf, dass dein Kind nüchtern ist und du nicht selbst wütend oder verärgert bist. Nutze die Technik der positiven Kommunikation. In meinem Artikel "Wie spreche ich ein Alkoholproblem an?" kannst du die fünf Faktoren guter Kommunikation noch einmal nachlesen.

Alkoholismus in der Weihnachtszeit: Setze Grenzen 

Mein letzter und wichtigster Tipp für die anstehende Weihnachtszeit: Beschäftige dich mit deinen Grenzen und setze diese bewusst ein. In meinem Artikel "Wie du als Angehörige den Fokus wieder auf dein Leben richtest" habe ich darüber geschrieben, wie du Grenzen für dich nutzen kannst. Entscheide dich für diese Möglichkeit, um dich vor den negativen Auswirkungen des Alkoholkonsums deines Kindes zu beschützen. Genieße die Weihnachtszeit und setze für dich die Grenze, dass du nicht von dem Alkoholproblem (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) des Betroffenen herunterziehen lässt. Du hast immer die Wahl und kannst selbst entscheiden, was dein nächster Schritt sein wird. 

Du bist nicht hilflos.

Ich wünsche dir eine wundervolle Weihnachtszeit.

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

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Wenn Alkohol zum Problem wird.
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