Alkoholsucht: Ursachen und Risikofaktoren, die eine Entwicklung begünstigen können

Alkoholsucht: Ursachen und Risikofaktoren, die eine Entwicklung begünstigen können

In Deutschland gelten über 1,7 Mio. Menschen als alkoholabhängig, aber nicht jeder Mensch der regelmäßig Alkohol konsumiert, entwickelt auch automatisch eine Alkoholsucht. Hast du dich auch schon einmal gefragt, was mögliche Ursachen, Gründe und Risikofaktoren für das Alkoholproblem des Betroffenen sein können?

In möchte dir in diesem Artikel verschiedene Faktoren vorstellen, die die Entwicklung einer Alkoholsucht begünstigen können.

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Die eine Ursache für Alkoholsucht gibt es nicht

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Theorien zur Entstehung einer Alkoholabhängigkeit, doch der eine Grund konnte bis heute nicht festgestellt werden. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, die bei der Entstehung eine Rolle spielen und diese sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Vier Risikofaktoren, die eine Ursache für Alkoholismus begünstigen können

Theoretisch kann jeder ein Alkoholproblem entwickeln und dennoch hat nicht jeder das gleiche Risiko an einer Alkoholabhängigkeit zu erkranken wie der andere. Ob sich eine Alkoholsucht bei dem Einzelnen entwickelt, hängt auch von seinen genetischen Veranlagungen, seiner Persönlichkeit sowie seinem familiären und sozialen Umfeld ab.

1. Genetische Faktoren und Ursachen von Alkoholismus

Ein höheres Risiko für die Entstehung einer Alkoholabhängigkeit besteht bewiesenermaßen in vorbelasteten Familien. Die daraus resultierende genetische Veranlagung stellt einen bedeutsamen Risikofaktor dar. 

Kinder von Betroffenen sind mit einem drei- bis viermal erhöhten Risiko deutlich gefährdeter auch an einer Alkoholsucht zu erkranken, als Kinder, die in unbelasteten Familienverhältnissen aufgewachsen sind.

Aber auch das Risiko eines eineiigen Zwillings, selbst Alkoholkrank zu werden, wird um das Zehnfache erhöht, wenn der andere Zwilling alkoholabhängig ist. Selbst Kinder von Betroffenen, die bereits als Babys von gesunden Eltern adoptiert wurden, leiden häufiger an einer Alkoholsucht, als andere Adoptivkinder ohne alkoholabhängige Eltern. Kinder von betroffenen Familien benötigen daher besonderen Schutz. Mehr erfährst du dazu in dem Artikel "Alkoholismus in der Familie: Kinder brauchen besonderen Schutz".

Eine Vererbung von Genen ist jedoch nicht die einzige Ursache einer Alkoholabhängigkeit und es kann nicht auf Grund genetischer Faktoren darauf geschlossen werden, dass Kinder von alkoholabhängigen Eltern ebenfalls eine Alkoholsucht entwickeln.

Bis heute kann auch nicht genau geklärt werden, welche spezifischen Gene als Ursache einer Alkoholsucht verantwortlich sind, bisher konnten lediglich Erbanlagen festgestellt werden, die den Alkoholstoffwechsel kontrollieren. So gibt es Menschen mit einer genetisch bedingten Verlangsamung des Alkoholabbaus, bei denen der Konsum von Alkohol sehr unangenehme Wirkungen verursacht. Das kann für diese Personen zur Folge haben, dass sie auf einen exzessiven Alkoholkonsum verzichten und sie sich so „auf natürlich Weise“ davor schützen, eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Wiederum kann damit auch darauf geschlussfolgert werden, dass Menschen, die viel Alkohol vertragen und damit die negativen Wirkungen weniger spüren, langfristig in die Gefahr laufen, eine Alkoholsucht zu entwickeln.

2. Persönliche Faktoren und Ursachen von Alkoholismus

Ob jemand ein Alkoholproblem entwickelt, hängt auch von der Persönlichkeit des Einzelnen ab. Leider haben wir im Laufe unseres Lebens immer wieder mit familiären oder beruflichen Konflikten zu kämpfen. Doch nicht für jeden, der mit solchen psychischen und sozialen Herausforderungen konfrontiert wird, besteht auch gleichzeitig die Gefahr für die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit. Denn wie wir mit solchen Situationen im Einzelfall umgehen, spielt eine entscheidende Rolle für die Entstehung der Krankheit. 

Manche Menschen bewältigen ihre Probleme aktiv durch externe Hilfe, beispielsweise durch den Einsatz von Psychotherapie oder dem selbstständigen Informieren mit Hilfe von Ratgebern. Andere wiederum suchen den konstruktiven Austausch mit anderen Menschen und wieder andere versuchen, ihre Probleme einfach zu verdrängen und zu verleugnen. An diesem Punkt kommt häufig der Konsum von Alkohol als vermeintliche Lösung ins Spiel. Leider werden die Probleme durch das Trinken jedoch nicht gelöst, sondern lediglich überlagert und die negativen Gefühle damit „betäubt“. Besonders scheinen impulsive und aggressive Personen mit mangelnder Fähigkeit, sich in soziale Strukturen einzuordnen, ein höheres Risiko für eine Alkoholabhängigkeit zu haben. Gefährdet sind aber auch Menschen mit Angst- und Panikstörungen. Alkohol ist für sie die „ideale“ Lösung, weil er beruhigend und angstlösend auf das Nervensystem wirkt und ihnen damit kurzfristig dabei hilft, Hemmungen, Ängste und Unsicherheiten zu unterdrücken. Aber auch ernsthafte Probleme in der Kindheit und Jugend erhöhen das Risiko eine Ursache für die Entwicklung einer Alkoholsucht zu sein. So stellt zum Beispiel das Aufwachsen in einer nicht funktionierenden, kommunikationsgestörten Familie, in der es gegebenenfalls noch zu psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalt gekommen ist, einen Risikofaktor für eine Alkoholabhängigkeit dar. Frühe Verlusterlebnisse in der Familie und Erfahrungen mit psychischem und/oder sexuellem Missbrauch spielen für die Entwicklung psychiatrischer Erkrankungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter eine ganz wichtige Rolle. Eine mangelhafte Mutterbindung und ständig wechselnde Bezugspersonen und Erziehungssituationen stellen für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen ebenfalls einen relevanten Faktor dar. Das Aufwachsen in einer solchen Umgebung erhöht demnach in einem wesentlichen Umfang das Risiko als Ursache für die Entwicklung einer Alkoholsucht.

3. Soziale Faktoren und Ursachen von Alkoholismus

Auch das soziale Umfeld kann eine Rolle für die Entwicklung einer Alkoholsucht spielen und scheint eine wichtige Ursache für die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit zu sein. 

Mögliche Gründe können in Konflikten mit der Familie oder am Arbeitsplatz, Probleme in der Beziehung, dem eigenen Umgang mit Krisen oder auch dem persönlichen Selbstwertgefühl liegen. In Verbindung mit dem individuellen Lernprozess den Einzelnen, die er mit dem Konsum von Alkohol verbindet, haben diese Faktoren einen relevanten Einfluss darauf, ob jemand eine Alkoholsucht entwickelt. Denn persönliche Sorgen, Stress und Frust können bei den betroffenen Personen ein starkes Verlangen nach alkoholischen Getränken auslösen, damit belastenden Situationen vermeintlich leichter zu ertragen und bewältigen sind. Gerne wird auf das obligatorische „Feierabendbier“ oder ein „Glas Rotwein“ zurückgegriffen, um mit Belastungen im Alltag besser umgehen oder am Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag besser abschalten zu können. Dadurch kann sich die Gefahr entwickeln, dass das Trinken mit der Zeit zu einer notwendigen Routine wird, um den Tag besser verarbeiten zu können. Durch den Konsum des Alkohols verstärken sich für jeden Menschen individuell angenehme Zustände (positive Gefühle) oder es verringern sich negative Verfassungen (negative Gefühle). Ein Unterschied zwischen Mann und Frau kann hier vor allem hinsichtlich der Erwartungshaltung nach dem Alkoholkonsum festgestellt werden.

Männer erhoffen sich häufig, dass der Alkohol bereits vorhandene angenehme Zustände noch weiter steigert, während Frauen durch den Konsum von Alkohol vorwiegend negative Gefühle verringern möchten.

Wenn die betroffene Person das Trinken anschließend als angenehm oder hilfreich empfindet, erhöht dies wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Zukunft auch wieder Alkohol trinken wird. Mit diesem regelmäßigen Konsum erhöht sich die Toleranzgrenze, sodass in Zukunft immer größere Mengen Alkohol erforderlich sind, um die erhoffte Wirkung zu erreichen. Langfristig kommt es dadurch zu strukturellen Gehirnveränderungen und zur Ausbildung des Suchtgedächtnisses. Die Betroffenen laufen Gefahr, ein unkontrollierbares Verlangen nach Alkohol zu entwickeln und dadurch an Alkoholismus zu erkranken.

Um das Risiko eines Alkoholproblems durch einen erhöhten Alkoholkonsum deutlich zu verringern, bildet daher ein stabiles und gesundes, soziales Umfeld eine gute Basis, um sich von Problemen oder Belastungen nicht aus der Bahn werfen zu lassen.

4. Wirkung des Alkohols als Faktor und Ursache von Alkoholismus

Der Übergang von einem problematischen Alkoholkonsum zu einer Alkoholabhängigkeit beruht vor allem auf der Wirkung des Alkohols auf das Belohnungszentrum unseres Gehirns. In diesem Zusammenhang wird von einer Zwei-Phasen-Wirkung des Alkohols gesprochen. 

Häufig führt die positiv erlebte Wirkung des Alkoholkonsums (bspw. positive Gefühle oder Minderung negativer Gefühle) dazu, dass die betroffene Person den Alkohol als ein Bewältigungsmittel gegen unangenehme Situationen oder Zustände einsetzt und dadurch die Motivation steigt, wieder zum Alkohol zu greifen. Das Belohnungssystem lernt, dass Alkohol zu Wohlbefinden führt und eine vorübergehende positive Wirkung hat. Durch die langfristigen negativen Folgen des Alkoholgebrauchs (bspw. negatives Selbstbild, Scham- und Schuldgefühle, Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen, Vernachlässigung von Verpflichtungen) kommt es wiederum verstärkt zu vermeintlichen Anlässen, Alkohol zu trinken und so die Probleme „herunter zu spülen“ und zu unterdrücken. Diese kurzfristigen positiven Wirkungen, verbunden mit den langfristig negativen Folgen, ziehen einen Teufelskreis nach sich und fördern die Entwicklung und Aufrechterhaltung einer Alkoholabhängigkeit. Verbunden mit dem regelmäßigen Alkoholkonsum kommt es zu einer Gewöhnung und Automatisierung bei der betroffenen Person. Sie verknüpfen sogenannte Situationsmerkmale, die sie beim Konsum von Alkohol erleben oder diesem vorausgehen, mit dem eigenem Trinkverhalten und speichern diese Faktoren im eigenen Suchtgedächtnis ab. Sobald die gespeicherten Merkmale wieder in den Vordergrund treten (bspw. durch den Geruch von Alkohol oder dem Kontakt zu Personen, mit denen Alkohol konsumiert wurde), kann bereits unbewusst das Verlangen nach Alkoholgebrauch bei der betroffenen Person ausgelöst werden. 

Aber auch bestimmte Situationen und Gedanken (bspw. ein besseres persönliches Wohlbefinden nach dem Konsum von Alkohol) oder Entzugserscheinungen auf Grund einer Alkoholabhängigkeit (bspw. durch Zittern) können einen erneuten Alkoholkonsum auslösen. Hierbei kommt es zu einer Automatisierung dieses Prozesses und dieser kann meist nicht mehr willentlich von dem Betroffenen gesteuert werden. Durch diesen Ablauf entsteht ein sogenanntes Suchtgedächtnis. In dem Artikel über die Entstehung des Suchtgedächtnis kannst du mehr zu dem Thema Alkoholismus erfahren.

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Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

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