Alkoholismus in der Familie: Wie spricht man mit einem Kind über das Alkoholproblem eines Elternteils?

Alkoholismus in der Familie: Wie spricht man mit einem Kind über das Alkoholproblem eines Elternteils?

Wenn in Familien mit Kindern bei einem Elternteil der Alkoholkonsum zum Problem wird (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch), dann ist die Situation für alle Beteiligten nicht einfach. Gerade Eltern stellen sich dann die Frage, wie offen und ehrlich sie mit der Krankheit Alkoholismus des betroffenen Elternteils ihren Kindern gegenüber umgehen sollen? Wie erklärt man seinem Kind, dass bereits mit in seinen jungen Jahren diese schwierigen Momente erleben muss, die Alkoholerkrankung von Mama oder Papa?

Vielleicht so?

"Der Papa hat ein Alkoholproblem" oder "Die Mama geht für die nächsten Wochen in eine Entzugsklinik"

Vermutlich eher nicht...

Es handelt sich definitiv um kein einfaches Gespräch, wenn man mit seinem Kind über die Alkoholkrankheit eines Elternteils sprechen möchte, selbst wenn dem Nachwuchs vielleicht sogar schon seit einiger Zeit bewusst ist, dass Mama oder Papa ein Problem mit Alkohol hat. Umso wichtiger ist es, sich einmal mit diesem Thema auseinandersetzen. In diesem Artikel erfährst du 10 wichtige Faktoren, warum und wie du mit einem Kind über das Alkoholproblem des Betroffenen (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) sprechen solltest.

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Alkoholismus eines Elternteils: Mit dem Kind über die Krankheit sprechen

In Deutschland leben Millionen von Kinder, die mindestens einen Elternteil haben, der ein Problem mit Alkohol (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) hat. Auch wenn Alkoholismus weit verbreitet ist, so wird doch in den meisten Familien nicht über die Krankheit gesprochen. Häufig wachsen die Kinder in einer unsicheren Umgebung auf, geprägt von Problemen und Herausforderungen, die andere Kinder in ihrem Alter nicht zu bewältigen haben.

Kinder aus alkoholbelasteten Familien neigen dazu, dass sie häufiger emotionale, verhaltens- und schulische Probleme entwickeln als andere Kinder. Auch ist für sie die Gefahr höher, dass sie später selbst ein Alkoholproblem entwickeln oder sich für einen Partner entscheiden, der ebenfalls ein Problem mit Alkohol hat. Gleichzeitig sind sie auch einem größeren Risiko von Missbrauch und Vernachlässigungen ausgesetzt und werden in manchen Fällen leider auch Zeugen von häuslicher Gewalt. 

Auf Grund der schwierigen Situation zu Hause, müssen die meisten Kinder leider schon relativ früh lernen für sich selbst zu sorgen. Weil Mama oder Papa häufig mit ihren eigenen Problemen belastet sind und sich der Fokus des nicht erkrankten Elternteils auf den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) verschiebt, kann es zu Defiziten in der Selbstkontrolle und der Eigenverantwortung kommen. Es kann aber auch vorkommen, dass sie auf Grund des Auseinanderbrechens der Familie oder der gereizten Stimmung zu Hause den Gedanken entwickeln, dass es ihre Schuld ist, dass Mama oder Papa zu viel Alkohol trinkt.

Ihre Emotionen sind dabei vielfältig. Sie reichen von Verärgerung bis zur absoluten Loyalität gegenüber dem betroffenen Elternteil. Meistens erfordert es für sie viel Überwindung, sich gegenüber anderen Menschen zu öffnen und sich über das wohlbehütete Familiengeheimnis auszutauschen. 

Sie lernen frühzeitig sich um sich selbst zu kümmern und werden dadurch schnell Erwachsen. Aber gleichzeitig verspüren sie auch ein Gefühl der Unsicherheit, ob sie sich auch in Situationen, in denen Mama oder Papa betrunken sind, um sich selbst kümmern dürfen oder ob sie dem Elternteil helfen müssen. Diese verschiedenen Gefühlswelten setzen sich fort, wenn der betroffene Elternteil wiederholt verspricht, endlich mit dem Alkoholkonsum aufzuhören und dadurch die Kinder einen Hoffnungsschimmer erhalten, aber das Versprechen in den meisten Fällen leider nicht gehalten werden kann.

Auf Grund der Situation zu Hause, stehen viele Kinder vor persönlichen Herausforderungen und die negativen Folgen für die kindliche Entwicklung sind gravierend. 

Alkoholismus in der Familie: 10 Faktoren, um mit einem Kind über das Alkoholproblem eines Elternteils zu sprechen

Es ist wirklich wichtig, dass du als Vertrauensperson das Gespräch mit deinem Kind suchst und ihr gemeinsam die Krankheit Alkoholismus betrachtet. Worauf du dabei achten solltest, habe ich dir in den nachfolgenden 10 Faktoren zusammengefasst.

Faktor Nr. 1: Wähle einen passenden Zeitpunkt

Ein Gespräch über das Alkoholproblem von Mama oder Papa lässt sich am besten in einem Moment führen, wo es keine Ablenkungen gibt und die Situation vergleichsweise ruhig und entspannt ist. Falls du persönlich von deinen Gedanken her schon soweit bist und bereits einen Plan hast, wie du dem betroffenen Elternteil helfen möchtest, dann kannst du dein Kind auch über die nächsten Schritte informieren. Erkläre ihm oder ihr, dass Mama oder Papa eine Krankheit entwickelt hat und das du dich darum kümmerst wirst, dass die Situation wieder besser wird. Spreche mit deinem Kind offen darüber, was sich in der nächsten Zeit alles verändern wird. Beispielweise wird Mama oder Papa in eine Therapie der Alkoholabhängigkeit gehen oder ein Elternteil zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus, weil sich die Eltern trennen oder scheiden lassen. Führe regelmäßig Gespräche mit deinem Kind über die Situation zu Hause und informiere es, damit es sich verstanden und geborgen fühlt. Aber achte immer darauf, dass du für das Gespräch einen passenden Zeitpunkt wählst.

Faktor Nr. 2: Wähle eine altersgerechte Sprache

Die Sprache die du verwendest und den Detaillierungsgrad der Informationen, die du deinem Kind über die Krankheit Alkoholismus geben möchtest, hängt stark von seinem Alter und seiner persönlichen Reife ab. Halte also dein Gespräch mit einem Kleinkind einfach und spreche die Themen direkt an. Achte auch darauf, dass bei deinem Kind nicht das Gefühl der Hilflosigkeit entsteht und es sich vielleicht sogar als dein "Seelsorger" sieht. Beende das Gespräch mit Zuversicht und Hoffnung.

Faktor Nr. 3: Sage die Wahrheit

Obwohl du abhängig vom Alter deines Kindes unterschiedliche Begriffe verwenden solltest, ist es wichtig, dass du immer ehrlich und offen über die Alkoholsucht des Elternteils sprichst. Meines Erachtens haben Kinder einen guten Instinkt und merken es, wenn Mama oder Papa sie anlügen. Erkläre also lieber deinem Kind, dass das Alkoholproblem von Mama oder Papa eine Krankheit ist, die durch verschiedene Faktoren verursacht wird. So wie manche Menschen eine schwere Erkrankung am Herzen haben, ist auch Mama oder Papa krank und diese Alkoholerkrankung muss behandelt werden, damit sich der betroffene Elternteil (ugs. Alkoholiker) auch wieder davon erholen kann.

Faktor Nr. 4: Informiere dich über die Krankheit Alkoholismus

Damit du in der Lage bist, mögliche Fragen beantworten zu können, die dir dein Kind in euren Gesprächen stellen könnte. Falls du auf eine Frage mal keine Antwort hast, dann ist das auch nicht schlimm. Antworte deinem Kind ehrlich und sage ihm oder ihr, dass du nach einer Antwort suchen wirst. Aber es ist wirklich hilfreich vorbereitet in das Gespräch zu gehen und weitere Informationen über die Krankheit Alkoholismus zu haben.

Faktor Nr. 5: Erkenne die Auswirkungen des Alkoholproblems an

Versuche am besten gar nicht erst die Auswirkungen des Alkoholproblems auf dein Kind zu ignorieren oder zu verdrängen. Zeige ihm oder ihr stattdessen, dass du verstehst, dass es Schmerz und Leid auf Grund der Krankheit von Mama oder Papa erfahren muss. Stelle deinem Kind in regelmäßigen Gesprächen die offene Frage, wie es ihm oder ihr geht und wie es sich fühlt.

Faktor Nr. 6: Schäme dich nicht für die Alkoholkrankheit des Elternteils

Einer der wichtigsten Aspekte, die dein Kind verstehen muss, ist, dass das Alkoholproblem des Elternteils nicht seine Schuld ist. Dein Kind ist nicht dafür verantwortlich, dass Mama oder Papa Alkohol missbrauchen und es kann diese Krankheit auch nicht heilen oder kontrollieren. Dieser Punkt kann für dein Kind schwer zu verstehen sein, besonders dann, wenn der betroffene Elternteil den Alkoholkonsum auf das Verhalten deines Kindes zurückführt. Zum Beispiel durch Aussagen wie "Ich müsste nicht so viel trinken, wenn du dich in der Schule endlich mal benehmen würdest...". Kinder aus alkoholbelasteten Familien benötigen Hilfe zu verstehen, dass das, was der Betroffene (ugs. Alkoholiker) unter dem Einfluss von Alkohol sagt und tut, nicht das ist, was er meint oder fühlt und nicht den Menschen widerspiegelt, der er ohne Alkohol ist. Der Konsum von Alkohol zeigt seine Auswirkungen auf das Gehirn des Betroffenen und so wie dein Kind nicht in der Lage ist, die Krankheit Alkoholismus aufzuhalten, so ist auch der betroffene Elternteil unter Alkoholeinfluss außer Kontrolle.

Faktor Nr. 7: Rücke die Dinge wieder ins rechte Licht

Häufig neigen betroffene Kinder dazu andere Familien zu idealisieren, ohne dabei zu verstehen, dass auch diese Familien ihre ganz eigenen Probleme haben. Helfe deinem Kind zu verstehen, dass eure Familie nicht die einzige ist, wo ein Elternteil die Krankheit Alkoholismus entwickelt hat. Es befinden sich Millionen von anderen Kindern in der gleichen Situation. Lass dein Kind wissen, dass es selbst ein ganz normales Kind, dass leider in diese ungesunde, häusliche Situation gedrängt wurden und ihr gemeinsam an einer Lösung arbeiten werdet, um mit dieser belastenden Situation fertig zu werden.

Faktor Nr. 8: Lade dein Kind zum offenen und ehrlichen Dialog ein

Vielleicht hat dein Kind auch schon den Draht zu sich selbst und anderen Menschen verloren. Falls es so ist, dann benötigt dein Kind etwas Unterstützung, um wieder die eigenen Gefühle erkennen und verarbeiten zu können. Wenn ein Elternteil ein Alkoholproblem (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) hat, dann geht das häufig damit einher, dass das Familiengeheimnis "Alkoholismus" um jeden Preis bewahrt wird und dadurch Angst und Einsamkeit entstehen. Es ist wichtig, dass dem entgegengewirkt wird. Ermutige also dein Kind, dass es offen über seine Gefühle, Ängste, Sorgen und auch Hoffnungen sprechen kann und es sich keine Gedanken machen muss, dass Geheimnis "Alkoholsucht" möglichst für sich zu behalten.

Faktor Nr. 9: Bringe deinem Kind diese sieben Sätze bei

Weil das Alkoholproblem von Mama oder Papa häufig Angst, Zweifel und Schuldgefühle bei den betroffenen Kindern verursacht, ist es wichtig, dass dein Kind vom Gegenteil überzeugt wird. Um dies zu erreichen, möchte ich dir ans Herz legen, die nachfolgenden sieben Sätze gemeinsam mit deinem Kind zu verinnerlichen, sodass es sich diese immer wieder ins Bewusstsein rufen kann. Gerne könnt ihr die Sätze auch auf einzelne Karten schreiben und diese bei Bedarf wieder hervorholen.

  1. Ich trage keine Schuld an der Krankheit von Mama oder Papa.
  2. Ich kann meine Mama oder Papa nicht heilen.
  3. Ich kann den Alkoholkonsum von Mama oder Papa nicht kontrollieren.
  4. Ich kann für mich selbst sorgen,
    1. indem ich meine Gefühle mitteile,
    2. eigene Entscheidungen treffen, und
    3. indem ich mich selbst wichtig nehme.

Diese sieben Sätze sind wirklich ganz wichtig. Achte darauf, dass dein Kind sich diese Sätze verinnerlicht oder zumindest immer wieder darauf zurückgreifen kann.

Faktor Nr. 10: Suche dir weitere Unterstützung

So wie der betroffene Elternteil eine Behandlung und Unterstützung für seine Krankheit Alkoholismus benötigt, so müssen auch die Kinder der Betroffenen (ugs. Alkoholiker) wissen, dass es Angebote gibt, die ihnen dabei helfen können, ihre Gefühle und Gedanken zu verarbeiten. Vielleicht fühlt sich dein Kind bei dem Gespräch mit dir oder einem Verwandten nicht wohl dabei, dann ist es wichtig das es weiß, dass es sich auch an einen Vertrauenslehrer, Berater, Kinder- oder Familientherapeuten oder an eine Selbsthilfegruppe für Kinder wenden kann. Hilf deinem Kind also dabei, dass es eine passende Unterstützung und einen vertrauensvollen Gesprächspartner finden kann.

Alkoholismus in der Familie: Sei dir über die Herausforderung deines Kindes bewusst

Die schwierigsten Themen sind häufig genau die Gespräche, die man unbedingt mit seinem Kind führen sollte. An jedem Tag, an dem dein Kind mit dem betroffenen Elternteil zusammenlebt, wird bei ihm oder ihr weiterer Schaden eben auf Grund der Alkoholsucht von Mama oder Papa angerichtet. 

Erinnere dich immer wieder daran, dass ca. ein Drittel der Kinder der Betroffenen später selbst ein Alkoholproblem entwickeln werden, ein weiteres Drittel wird eine Beziehung mit einem Partner mit einem Suchtproblem eingehen und nur ein Drittel wird keine offensichtlichen Beeinträchtigungen davontragen, leidet aber ebenfalls ein Leben lang. 

Dein Kind benötigt einen ehrlichen und wertschätzenden Austausch sowie deine tatkräftige Unterstützung, damit der durch Alkoholismus verursachte Schaden nicht weiter größer wird.

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Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

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