Beziehung mit einem Alkoholiker: Soll ich mich trennen?

Beziehung mit einem Alkoholiker: Soll ich mich trennen?

Vielleicht hast auch schon einmal darüber nachgedacht, ob du dich von einem Menschen trennen solltest, der ein Problem mit Alkohol (in Form einer Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholmissbrauch) hat. Vermutlich weicht eure Beziehung mittlerweile sehr davon ab, wie es zu Beginn einmal war. Statt gemeinsam zu lachen, sich zu umarmen und liebevolle Worte auszutauschen, besteht die Beziehung jetzt wahrscheinlich eher darin, den Betroffenen (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) im alkoholisierten Zustand auszuweichen, ihn anzuflehen, endlich mit dem Alkoholkonsum aufzuhören und in regelmäßigem Streit. Vielleicht hast du auch die Sorge, dass ihr diese gemeinsame, wundervolle Beziehung aus früheren Zeiten nicht mehr haben werdet. Nicht selten fragen sich dann die Angehörigen, ob sie sich von ihrem Partner trennen sollten, der ein Alkoholproblem hat. Wie du eine mögliche Antwort für dich finden kannst, darauf gehe ich in diesem Artikel ein. 

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Soll ich mich von meinem Partner trennen, wenn er ein Alkoholiker ist?

Die Entscheidung bei dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu bleiben oder zu gehen ist nicht leicht und es kann eine der schwierigsten Entscheidung sein, die du in eurer Beziehung treffen musst. Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Leider kann ich dir deine Entscheidung auch nicht abnehmen, aber wenn du die nachfolgenden Faktoren berücksichtigst, kann die Antwort darauf vielleicht etwas klarer sein. In meinem Artikel "Mein Partner hat ein Alkoholproblem: Soll ich ihn aus der gemeinsamen Wohnung werfen?" habe ich über Grenzen geschrieben. Sie sind dafür da, um einem Verhalten einen Rahmen zu geben, was wir in Ordnung finden und was nicht. Jeder von uns hat individuelle Grenzen und es liegt allein an dir, welche du wählst. Deine Entscheidung darüber, ob du die Beziehung zu dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) beendest oder nicht, hängt auch davon ab, dass du über die Grenzen in Bezug auf eure Beziehung nachdenkst. Daneben gibt es aber auch noch weitere Faktoren, die du für deine Entscheidungsfindung einbeziehen kannst.

Alkoholismus des Partners: Fünf Faktoren, die du für deine Entscheidung nutzen kannst

  1. Die bisherigen Versuche an der Beziehung zu arbeiten: Hast du schon einmal einen anderen Ansatz (bspw. Paarberatung) versucht? Wie ist es verlaufen? Was hat funktioniert und was nicht? Wenn bereits in der Vergangenheit etwas gut geklappt hat, dann lohnt es sich vielleicht, dass gleiche noch einmal zu versuchen und zu sehen, ob sich die Beziehung wieder verbessert. Wenn es so ist, dass bisher kein Versuch etwas gebracht hat, dann hinterfrage dein persönliches Gefühl, ob ihr wirklich alles für eine Verbesserung getan hast oder vielleicht nur halbherzig an die Thematik herangegangen bist. Wenn du jetzt noch einmal einen Versuch unternehmen würdest, könnte dieser vielleicht zu anderen Ergebnissen führen?
  2. Die Bereitschaft und Fähigkeit von deinem Partner, an der Beziehung zu arbeiten: Wie offen ist er deiner Meinung nach, etwas zu verändern? Glaubst du, dass er die emotionale Kraft dafür hat, zum aktuellen Zeitpunkt an der Beziehung zu arbeiten? Es wird Zeit, Kraft und Energie erfordern, um etwas zu ändern. Glaubst du, dass er dafür bereit und auch in der Lage ist, diese Arbeit zu leisten? Falls nicht, kannst du ihn vielleicht mit Hilfe der CRAFT-Methode dabei unterstützen, in Zukunft auch an der Beziehung zu arbeiten?
  3. Deine Bereitschaft, Zeit und Energie zu investieren: Um etwas an der Beziehung zu verändern, wird es letztendlich auch erforderlich sein, dass sowohl der Betroffene (ugs. Alkoholiker) als auch du Zeit und Kraft investierst. Neben deiner Einschätzung, ob dein Partner dazu bereit ist, ist es ebenso wichtig, dass du dir die Zeit nimmst und über deine Bereitschaft nachdenkst, an der Beziehung zu arbeiten. Verfügst du über die emotionalen Ressourcen sowie Zeit und Energie, die dafür erforderlich sind? Basieren deine Bemühungen, die Beziehung zu retten, eher auf einem „sollte“ (bspw. „Ich sollte zumindest noch diese Möglichkeit versuchen, bevor ich ihn verlasse.“)? Was würdest du tun, wenn es nicht darum ginge, was du vielleicht „solltest“, sondern was du für richtig hältst?
  4. Deine Vorstellung davon, was in der Beziehung alles verändert werden muss, bevor sie fortgeführt werden kann: Vielleicht hast du deine ganz eigene persönliche, spirituelle oder religiöse Überzeugung davon, wann eine Beziehung beendet werden sollte. Oder du hast eine gewisse Erwartungshaltung, wie viele und welche Art von Versuchen du unternehmen möchtest, bevor du dich von deinem Partner trennst. Einige dieser Vorstellungen sind vielleicht auch gesellschaftlich geprägt und du hast das Gefühl, dass du etwas tun „solltest“ (bspw., weil jemand anderes sagt, dass es das Richtige ist, du selbst aber nicht davon überzeugt bist). Es gibt immer Menschen, die glauben zu wissen, was du tun solltest. Versuche die Vorstellungen der Gesellschaft von den Faktoren zu trennen, die auf Grund deiner Überzeugung, Werte oder Moralvorstellung wirklich wichtig erscheinen. Notiere die Aspekte, die du für dich wichtig sind, bevor du eine Entscheidung über eure Beziehung triffst. Es kann auch hilfreich sein, deine Gedanken einmal aufzuschreiben, um einen klaren Fokus zu erhalten. Überlege dir, ob deine Erwartungen an dich selbst realistisch sind. Oder versuchst du vielleicht nur, dich an der Beziehung festzuhalten? Gibt es eventuell noch andere Lösungsmöglichkeiten, bevor du die Beziehung beendest?
  5. Denke an deine Sicherheit: Wenn es bereits in der Vergangenheit zu häuslicher Gewalt gekommen ist, dann ist der gefährlichste Moment in einer Beziehung, wenn diese beendet wird. Bitte denke daran, dass du bei der Gefahr von Gewalt immer erst Vorsichtsmaßnahmen ergreifen musst, um deine Sicherheit und die deiner Familie zu gewährleisten.

Füge alle Faktoren zusammen

Die Entscheidung, ob man sich von einem alkoholkranken Partner trennen oder bleiben soll, kann unglaublich schwierig und herzzerreißend sein. Wenn du dir die Zeit dafür nimmst, über die aufgeführten Faktoren nachzudenken, kannst du dir vielleicht eine Klarheit darüber schaffen, was für dich und deine Familie wichtig ist. Nimm dir diese Übung und markiere alle Faktoren, die du am wichtigsten für deine Entscheidung im Umgang mit der Herausforderung Alkoholismus findest. Erscheint jetzt eine Entscheidung für dich sinnvoll? Wenn dir die Übung dabei geholfen hat, eine Entscheidung dafür zu treffen, dass du dich von dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) trennen willst, dann notiere deine nächsten Schritte, was du konkret unternehmen wirst, um dein Ziel zu erreichen. Wenn du für dich die Entscheidung getroffen hast, dass das du dich nicht trennen möchtest, dann notiere stattdessen deine konkreten nächsten Schritte, was du als Nächstes vorhast und wie du wieder zu deinen Werten findest.

Eine Sache noch...

Mit meinem Artikel habe ich nur die Oberfläche der Überlegungen angekratzt, die für deine besondere Situation relevant sein könnten. Vielleicht hast du mit deinem Partner gemeinsame Kinder, Haustiere oder pflegebedürftige Eltern, um die ihr euch kümmern müsst. Es kann auch sein, dass die finanziellen Aspekte ein Problem sind oder es gibt gesundheitliche Faktoren oder andere Bedenken, die deine Entscheidungsfindung stark erschweren. Bitte berücksichtige diese ebenfalls in deiner Entscheidungsfindung. 

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Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

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