Alkoholismus: Wann ist ein guter Zeitpunkt, dem Betroffenen eine Behandlung vorzuschlagen?

Alkoholismus: Wann ist ein guter Zeitpunkt, dem Betroffenen eine Behandlung vorzuschlagen?

Möchtest du mit dem Betroffenen (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) schon lange darüber sprechen, dass er sich wegen seines Alkoholproblems in Behandlung begeben soll? Bist du dir jedoch nicht sicher, wie und wann du das Thema am besten ansprichst? Hast du es vielleicht sogar schon mehrmals versucht, aber das Gespräch endete nicht so, wie du dir es erhofft hast? Oder hast du das Thema vielleicht bisher vermieden, weil du ahnst, dass der Betroffene (ugs. Alkoholiker) kein Interesse an einer Behandlung seiner Alkoholsucht hat? Oder hast du bei eurem letzten Gespräch eine so schlechte Erfahrung gemacht, dass du dich gar nicht mehr traust, ihm eine Behandlung vorzuschlagen? In diesem Artikel soll es darum gehen, wann du dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) eine Therapie seiner Alkoholkrankheit vorschlagen kannst.

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Alkoholismus: Dem Betroffenen eine Behandlung vorschlagen

Leider gibt es keine pauschale Antwort darauf, wie du deinen Angehörigen auf eine einfache Art und Weise sagen kannst, dass er eine Behandlung seiner Alkoholsucht beginnen soll. Aber es gibt zwei Faktoren, die du lernen und üben kannst und die deine Chance auf ein erfolgreiches Gespräch erhöhen:

Faktor Nr. 1: Die Nutzung deiner Kommunikationsfähigkeiten ("WIE" du kommunizierst)
Faktor Nr. 2: Die Wahl des richtigen Zeitpunkts, um die Behandlung vorzuschlagen ("WANN" du es ansprichst)

Wie spreche ich mit dem Betroffenen über sein Alkoholproblem?

In meinem Artikel "Wie spreche ich ein Alkoholproblem an?" habe ich bereits darüber geschrieben, WIE du mit dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) über seinen Alkoholkonsum sprechen kannst und welche Kommunikationsregeln dabei zu empfehlen sind. Hier ging es vor allem darum, wie du die Elemente einer guten Kommunikation für das Gespräch einsetzt.

Die Elemente guter Kommunikation sind:

  1. Positive Formulierungen zu verwenden
  2. „Ich“-Botschaften zu nutzen
  3. Hilfe und Unterstützung anzubieten
  4. Verständnis für Gefühle zu äußern
  5. Spezifische und konkrete Aussagen zu treffen

Wenn du mit dem Betroffenen über eine Behandlung sprechen möchtest, dann schau dir daher vorher unbedingt noch einmal meinen Artikel über die Kommunikationsregeln an.

Neben den Kommunikationsregeln, geht es aber auch um die Wahl des richtigen Zeitpunktes. Um das „WANN“ - also die Wahl eines passenden Zeitpunktes, um die Behandlung anzusprechen, geht es in diesem Artikel.

Alkoholismus: Wann spreche ich mit dem Betroffenen über eine Behandlung?

Den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, kann ein wirklich entscheidender Faktor für ein erfolgreiches Gespräch sein. Erinnere dich an einen Moment, an dem du selbst gestresst warst und dich jemand um etwas gebeten hat. Wie hast du dich gefühlt? Was waren deine Gedanken? Und jetzt denke an eine Situation, in der du entspannt, ausgeruht und gut gelaunt warst und dich ebenfalls jemand um etwas gebeten hat. Erkennst du den Unterschied?

Meistens reagieren wir eher negativ und sagen schneller zu etwas nein, wenn wir uns gestresst fühlen und schlechte Laune haben. Auf der anderen Seite sagen wir aber auch schneller zu etwas ja, wenn wir entspannt und gut gelaunt sind, weil wir uns vielleicht gerade gut fühlen. 

Das gleiche gilt auch für den Betroffenen (ugs. Alkoholiker), wenn du ihn darauf ansprechen möchtest eine Behandlung seiner Alkoholsucht zu beginnen. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts kann deine Chance wesentlich erhöhen, dass der Betroffene eher für eine Therapie des Alkoholproblems bereit ist. Um ein besseres Gefühl dafür zu entwickeln, wann der richtige Moment sein kann, findest du nachfolgend mögliche Situationen, wann ein Gespräch sinnvoll sein könnte.

1. Wenn eine gute Stimmung ist: Wähle einen Zeitpunkt, an dem ihr beide gute Laune habt. Ihr müsst nicht zwingend überglücklich sein, aber es ist sinnvoll, dass ihr beide nicht gestresst, müde oder wütend seid.

2. Wenn ihr euch gut versteht: Wenn ihr also seit ein paar Tagen ein gutes Verhältnis zueinander habt und gut miteinander zurechtkommt. Du kannst dir auch überlegen, ob du das Gespräch so eröffnest, indem du sagst, dass du die vergangenen Tage sehr schön fandest, die Beziehung gerne weiter verbessern möchtest und du davon überzeugt bist, dass eine Behandlung seiner Alkoholerkrankung dabei helfen würde.

3. Wenn der Bertoffene über die negativen Folgen seines Alkoholkonsums spricht: Wenn er also erwähnt, dass er sich nicht gut fühlt, mit einem Kater auf Grund des Alkohols zu kämpfen hat und er aber gerne wieder mehr machen würde. Dann kann es ebenfalls eine gute Gelegenheit sein, dass Thema einer Behandlung der Alkoholsucht anzusprechen. Achte hierbei jedoch auch wieder auf deine Kommunikation, damit du deinen Vorschlag in einer positiven Art und Weise formulierst.

4. In einem verkaterten oder nüchternen Zustand: Hierauf gibt es keine allgemeine Antwort. Überlege dir, wann der Betroffene offener für das Thema ist. Bei manchen Betroffenen erhöht sich ihre Bereitschaft für eine Behandlung, wenn sie gerade unter den direkten Folgen (Kater) ihres Alkoholkonsums leiden.

5. Die passende Uhrzeit: Die Wahl der richtigen Tageszeit und vor allem was in diesem Moment parallel geschieht, ist ebenfalls wichtig für deine Überlegungen. Versuche also einen Zeitpunkt zu wählen, an dem der Betroffene (ugs. Alkoholiker) entspannt ist und genügend Zeit hat, sich mit dir auszutauschen. Wenn du das Thema beispielsweise um 07:00 Uhr morgens auf dem Weg zur Arbeit ansprichst, dann handelt es sich vermutlich nicht um den besten Zeitpunkt, das Gespräch zu beginnen.

6. Wenn der Betroffene bemerkt, dass du dich anders verhältst: Wenn er feststellt, dass du dich auf Grund der Techniken von CRAFT anders verhältst, kannst du ebenfalls die Gelegenheit dafür nutzen, dich mit ihm darüber auszutauschen, was du bisher schon gelernt hast, warum du dich mit dem Modell beschäftigst und welche positiven Auswirkungen es mit sich bringt. Teile ihm so viel oder so wenig mit, wie sich für dich richtig anfühlt. Deine positiven Erfahrungen können den Betroffenen darin unterstützen, dass er sich ebenfalls für eine Behandlung seines Alkoholproblems interessiert.

7. Allein oder mit Freunden: Überlege dir, ob du das Gespräch mit dem Betroffenen allein oder gemeinsam mit Freunden oder Familienmitgliedern führen möchtest. Versuche einzuschätzen, ob er eher offen für ein Gespräch ist, wenn du dich mit ihm allein darüber austauschst oder ob die Chancen besser stehen, wenn weitere vertraute Personen daran teilnehmen.

Wann ist ein passender Zeitpunkt?

Damit du ein besseres Gefühl dafür erhalten kannst, wann ein guter Moment für ein Gespräch mit dem Betroffenen über eine Behandlung seiner Alkoholsucht sein kann, empfehle ich dir ein Blatt Papier zu nehmen und eine Tabelle mit zwei Spalten aufzuzeichnen. In der linken Spalte notierst du Momente, wann du denkst, dass ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch ist. In die rechte Spalte schreibst du Situationen auf, in denen es wahrscheinlich nicht passend ist. Für deine Notizen kannst du dich auch an Gespräche aus der Vergangenheit erinnern. Wann lief es gut und wann nicht?

Beispiele für die Wahl eines passenden Zeitpunktes

Passende Momente, um mit meinem Angehörigen über sein Alkoholproblem zu sprechen.Nicht passende Momente, um mit meinem Angehörigen über sein Alkoholproblem zu sprechen.


Am Wochenende, wenn er entspannt ist.

Am frühen Morgen, wenn wir beide zur Arbeit müssen und zeitlich unter Druck stehen.

Wenn er einen Kater hat und unter den Folgen seines Trinkens leidet.

Wenn er Alkohol getrunken hat und betrunken ist.

Nachdem wir gemeinsam etwas Schönes unternommen haben und er nüchtern ist.

Wenn er einen stressigen Arbeitstag hatte.

Weitere Faktoren, um mit dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) über eine Behandlung zu sprechen

Es gibt noch weitere wichtige Aspekte, die du beachten solltest, wenn du mit dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) über eine Therapie seiner Alkoholsucht sprechen möchtest.

1. Begib dich nicht in Gefahr: Wenn es bereits in der Vergangenheit zu Gewalt oder einem aggressiven Verhalten gekommen ist, dann empfehle ich dir, dich auf die Situation und die möglichen Gefahren vorzubereiten. Erinnere dich daran, deine persönliche Sicherheit hat immer die höchste Priorität.

2. Erinnere dich an deine bisherigen Versuche: Wie sind die Gespräche in Vergangenheit abgelaufen? Was hat gut funktioniert und was nicht? Du besitzt bereits einen breiten Erfahrungsschatz und du kannst am besten einschätzen, wie du das Gespräch gestalten solltest. Daher ist es ein guter Ausgangspunkt, wenn du dir vergangene Situationen in Erinnerung rufst und überlegst, was du im nächsten Gespräch verbessern möchtest.

3. Überlege dir Dinge, die den Betroffenen motivieren könnten, nüchtern zu bleiben: Auf was musste er bisher auf Grund seines Alkoholproblems verzichten? Konnte er beispielsweise nicht mit seinen Kindern spielen oder ist er in seinem Job nicht weitergekommen? Du kannst diese Faktoren ebenfalls in dein Gespräch aufnehmen.

4. Stelle konkrete Behandlungsmöglichkeiten für die Alkoholerkrankung vor: Es ist zu empfehlen, dass du dich bereits vorab mit den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten des Alkoholismus auseinandersetzt und dich darüber informierst, bevor du den Betroffenen darauf ansprichst. Wenn du ihm verschiedene Optionen vorschlagen kannst und auch schon Antworten auf seine möglichen Fragen hast, verringerst du Hindernisse, die einer Behandlung im Wege stehen könnten.

5. Leite die nächsten Schritte so schnell wie möglich ein: Wenn der Betroffene (ugs. Alkoholiker) eine Bereitschaft für eine Behandlung seiner Alkoholsucht zeigt, ist es am besten, wenn er innerhalb von 72 Stunden mit einem ersten Ansprechpartner spricht. Daher ist es sinnvoll, dass du dich, noch bevor du das Gespräch mit dem Betroffenen führst, mit einem Suchtberater oder einem Therapeuten abstimmst und ihr nach einem Weg sucht, wie der Betroffene (ugs. Alkoholiker) schnellstmöglich ein erstes Gespräch führen kann. Auch wenn es schwierig ist, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass dein Angehöriger das Gespräch wahrnimmt und die Chance für eine Behandlung seines Alkoholproblems steigt.

Wichtig: Lass dich nicht entmutigen, du kannst als Angehörige etwas bewirken

Auch wenn du den richtigen Zeitpunkt gewählt und auf deine Kommunikation geachtet hast, dein Angehöriger aber trotzdem kein Interesse an einer Behandlung hat, dann lass dich davon nicht unterkriegen. Nur weil dieser eine Versuch nicht geklappt hat, bedeutet das nicht, dass der nächste Gesprächsversuch zur Behandlung des Alkoholproblems auch nicht funktionieren wird. Es ist wichtig, dass du jetzt nicht aufgibst. Manchmal benötigt es einfach mehrere Anläufe, bevor der Betroffene (ugs. Alkoholiker) das Angebot einer Behandlung annimmt. Wenn du frustriert und verzweifelt bist, dann ist das absolut verständlich. Tausche dich mit Freunden und Familie über die Herausforderungen des Alkoholismus aus und stärke dich wieder, bevor du einen weiteren Versuch unternimmst. Es wird auch in Zukunft wieder passende Gelegenheiten für ein Gespräch geben und wenn du weiterhin deine Kommunikationsfähigkeiten trainierst und einen passenden Zeitpunkt für ein erneutes Gespräch wählst, dann steigen auch die Chancen, dass du den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) für eine Behandlung der Alkoholabhängigkeit motivieren kannst.

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