Suchtberatung für Angehörige: Fünf Möglichkeiten

Suchtberatung für Angehörige: Fünf Möglichkeiten

In diesem Beitrag soll es darum gehen, was du tun kannst, wenn ein dir nahestehender Mensch ein Problem mit Alkohol (umgangssprachlich als Alkoholiker bezeichnet) hat. Indem du dich über das Thema Suchtberatung für Angehörige informierst, machst du bereits einen wichtigen ersten Schritt. Da deine Situation sehr herausfordernd ist, möchte ich dich mit Challenge-A unterstützen und dir fünf Möglichkeiten einer Suchtberatung für Angehörige vorstellen.

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Suchtberatung für Angehörige: Fünf Optionen

Es gibt verschiedene Ansätze, wie du dem Betroffenem (ugs. Alkoholiker) helfen kannst und wo du Unterstützung findest. Um einen besseren Überblick zu erhalten, findest du nachfolgend fünf Möglichkeiten, die du als Angehörige für den Umgang mit der Alkoholsucht nutzen kannst.

Suchtberatung für Angehörige: Möglichkeit Nr. 1 - CRAFT-Modell

Das „Community Reinforcement and Family Training Model (CRAFT)“ ist ein wissenschaftlich gestützter Ansatz, der nachweislich durch die Arbeit mit den Angehörigen die Behandlungsbereitschaft der Betroffenen (ugs. Alkoholiker) erhöht. In verschiedenen Studien konnte belegt werden, dass ca. 70 % der mit CRAFT trainierten Angehörigen (bspw. Partner, Eltern, Geschwister) in der Lage sind, den Betroffenen bereits nach einer kurzen Zeit dahingehend zu beeinflussen, dass er eine Behandlung beginnt. Das Modell von CRAFT kann auch dir helfen, deine eigene Lebensqualität zu verbessern, und zwar unabhängig davon, ob der Betroffene sich in eine Behandlung seiner Alkoholerkrankung begibt oder nicht.

Vorteile des CRAFT-Modells

  • Es ist ein nachweislich Erfolg versprechender Ansatz, der mehrfach belegt hat, dass es die Angehörigen in ca. 7 von 10 Fällen schaffen, den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu einer Behandlung zu bewegen.
  • Der Ansatz vermittelt praktische Fähigkeiten, die leicht zu erlernen sind und auch in vielen anderen Bereichen des Lebens eingesetzt werden können.
  • Er richtet sich an Menschen, die aktiv etwas tun wollen, um dem Betroffenen zu helfen.
  • Du musst nicht erst darauf warten, dass der Betroffenen seinen „Tiefpunkt“ der Alkoholkrankheit erreicht hat, um ihm helfen zu können. Die Anwendung der CRAFT-Techniken kann zu jedem Zeitpunkt begonnen werden kann.
  • Du musst dich nicht von dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) distanzieren oder in die Konfrontation mit ihm gehen.
  • Es ist ein positiver Ansatz, der sich darauf fokussiert, was du alles richtig machst, was der Betroffene alles richtig macht und wie du mehr positive Interaktionen zwischen dir und deinem Angehörigen schaffen kannst.

Nachteile des CRAFT-Modells

  • Es ist nicht für Angehörige geeignet, die der Meinung sind, dass eine Konfrontation mit dem Betroffenen der notwendige und beste Weg ist, um ihm zu helfen.
  • Es unterscheidet sich von dem Ansatz der 12-Schritte der Anonymen Alkoholiker, was zu Differenzen führen kann, wenn ein Familienmitglied von den 12-Schritte überzeugt ist.
  • Das Erlernen der CRAFT-Techniken kann einige Zeit in Anspruch nehmen und du musst deine neuen Fähigkeiten regelmäßig üben und trainieren, sodass ein gewisser zeitlicher Aufwand entsteht.

Wie kann ich die Technik des CRAFT-Modells lernen?

Im Gegensatz zum englischsprachigen Raum, gibt es in Deutschland bisher leider kaum verfügbare Angebote zu CRAFT. Einige Therapeuten sowie Suchtberater sind darauf spezialisiert. Alternativ findest du im Internet allgemeine Informationen, die dir die Grundfertigkeiten des Modells vermitteln. Möglicherweise benötigst oder wünschst du dir jedoch zusätzliche Unterstützung beim Erlernen und Üben der CRAFT-Fertigkeiten. Dafür habe ich ein spezielles Programm entwickelt. Lass uns gerne in einem persönlichen und kostenlosen Gespräch gemeinsam schauen, ob das etwas für dich ist.

Suchtberatung für Angehörige: Möglichkeit Nr. 2 - Selbsthilfegruppe

Selbsthilfegruppen gibt es nicht nur für die Betroffenen (ugs. Alkoholiker), sondern auch für die Angehörigen. Ein wesentliches Merkmal von Selbsthilfegruppen ist es, dass sie von Menschen geleitet und organisiert werden, die selbst betroffen und aus eigener Erfahrung berichten können. Die Mitglieder der Selbsthilfegruppen tauschen sich in regelmäßigen, meist wöchentlichen Treffen darüber aus, was sie selbst im Umgang mit der Alkoholsucht versucht haben, was davon funktioniert hat und was nicht und wie es ihnen mit der Alkoholabhängigkeit ihrer Angehörigen geht. Die Selbsthilfeorganisation Al-Anon bietet wahrscheinlich die bekanntesten Selbsthilfegruppen und basiert auf dem spirituellen Ansatz der 12-Schritte der Anonymen Alkoholiker. Diese 12-Schritte lehren die Angehörigen, sich vom Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu lösen und die Tatsache zu akzeptieren, dass sie außer Stande sind, dass krankhafte Verhalten der Betroffenen zu kontrollieren. Aus der begrenzten Anzahl von Studien, die zu Al-Anon durchgeführt wurden, geht hervor, dass sich das Wohlbefinden der Angehörigen in kurzer Zeit verbessert und in ca. 2 von 10 Fällen der Betroffene zu einer Behandlung der Alkoholerkrankung bewegt werden konnte.

Vorteile der Selbsthilfegruppe

  • Selbsthilfegruppen sind weltweit verfügbar und du kannst sehr wahrscheinlich sofort ein Treffen in deiner Nähe finden.
  • Du kannst dich mit anderen Angehörigen austauschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden und gegenseitig Unterstützung geben.
  • Die Treffen finden üblicherweise einmal in der Woche statt, sodass du eine regelmäßige Unterstützung erhältst und der zeitliche Aufwand gering ist.
  • Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen ist meist ist kostenlos und basiert häufig auf dem Prinzip der Spendenbasis.

Nachteile der Selbstgruppe

  • Bei dem Angebot von Al-Anon musst du dazu bereit sein, dich von dem Betroffenen zu lösen. Der Ansatz der 12-Schritte lehrt die Angehörigen, dass sie gegenüber dem Alkoholproblem der Betroffenen machtlos sind und man nichts tun kann, um ihn bei der Überwindung des Alkoholproblems zu helfen oder anderweitig zu beeinflussen.
  • Du wirst keine speziellen Fähigkeiten lernen, wie du dem Betroffenen helfen kannst.
  • Du wirst dazu ermutigt, dich auf dich selbst zu konzentrieren und es geht nicht darum, wie du deinem Angehörigen helfen kannst.
  • Der spirituelle Ansatz mancher Selbsthilfegruppen ist nicht für jeden passend.

Wie finde ich eine Selbsthilfegruppe?

Eine lokale Al-Anon Gruppen findest du, indem du auf der Webseite von Al-Anon schaust. Alternativ gibt es auch Angebote für Angehörige der Guttempler, vom Kreuzbund und Blaues KreuzDa sich jede Gruppe in Hinsicht auf ihre Mitglieder und Atmosphäre unterscheidet, ist es sinnvoll, dass du an verschiedenen Gruppentreffen teilnimmst, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Selbsthilfegruppe am besten für dich passt.

Suchtberatung für Angehörige: Möglichkeit Nr. 3 - Intervention

In Deutschland ist diese Möglichkeit nicht so weit verbreitet, aber in den USA ist sie doch sehr bekannt und vielleicht bist du bei deinen Recherchen ja schon einmal darauf gestoßen, weil es auch Anbieter in Deutschland gibt. Die bekannteste Art der Intervention ist die sogenannte Johnson-Intervention.

Der Grundgedanke dahinter ist:

  • Das der Betroffene (ugs. Alkoholiker) seine Alkoholsucht vehement verleugnet
  • und nur durch die direkte Konfrontation mit einem Angehörigen für eine Behandlung motiviert werden kann geben.

Vor der eigentlichen Intervention trifft sich ein sogenannter Interventionist mit den Familienmitgliedern und Freunden des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) und hilft ihnen dabei, sich auf die Intervention vorzubereiten. Während der Intervention unterstützt er die Angehörigen, die Auswirkungen des Alkoholkonsums der betroffenen Person auf eine sachliche und nicht wertende Art und Weise auszudrücken. Wenn der Betroffene anschließend dazu bereit ist eine Behandlung aufzusuchen, dann werden ihm sofort verschiedene Behandlungsoptionen vorgestellt. Verschiedene Studien belegen, dass der Ansatz der Intervention durchaus wirksam sein kann, um Personen mit einer Alkoholerkrankung für eine Behandlung zu motivieren. Allerdings sind nur ca. 30 % der Angehörigen auch tatsächlich dazu bereit, nach einer Schulung eine Intervention mit dem Betroffenen durchzuführen, da die meisten durch die sehr konfrontative Methode abgeschreckt werden.

Vorteile der Intervention

  • Wenn du davon überzeugt bist, dass der Betroffene (ugs. Alkoholiker) davon profitieren kann, wenn er mit den negativen Folgen seines Alkoholkonsums durch sein nahes Umfeld konfrontiert wird, dann könnte diese Möglichkeit für dich geeignet sein.
  • Wenn du dazu bereit bist, die Intervention auch tatsächlich durchzuführen, dann kann dieser Ansatz erfolgreich sein.
  • Allein die Begegnung mit dem Interventionisten hilft vielen Angehörigen häufig schon sich im Umgang mit der Alkoholerkrankung stärker zu fühlen und die negativen Auswirkungen der Alkoholsucht zu reduzieren.

Nachteile der Intervention

  • Es handelt sich um einen konfrontativen Ansatz und viele Menschen empfinden eine Konfrontation als unangenehm, beängstigend oder nicht mit ihren Werten als Familie vereinbar.
  • Eine Intervention ist auch mit einem finanziellen Aufwand verbunden.
  • Wenn die tatsächliche Intervention schlussendlich nicht durchführt wird, dann ist sie nicht sehr effektiv.
  • Der Ansatz der Intervention kann im schlimmsten Fall auch Beziehungen zerstören, da es vorkommen kann, dass sich der Betroffene (ugs. Alkoholiker) wegen der Intervention verletzt, verraten oder verärgert fühlt.

Suchtberatung für Angehörige: Möglichkeit Nr. 4: Beratung durch einen Außenstehenden

Eine Beratungsstelle ist für viele Angehörige die erste Anlaufstelle. Die Suchtberatung ist nicht nur für den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) da, sondern steht auch dir als Beratungsmöglichkeit zur Verfügung. Die Gespräche werden dir dabei helfen, die eigene Verstrickung in das Verhalten des Betroffenen zu erkennen und aktiv konstruktive Veränderungen vorzunehmen. Mögliche Beratungsangebote gibt es von verschiedenen Trägern wie beispielsweise der Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz und den jeweilig regionalen Suchthilfeeinrichtungen. Du hast aber auch die Möglichkeit eines ersten persönlichen und kostenlosen Austauschs mit mir.

Vorteile der Beratung durch einen Außenstehenden

  • Du erhältst persönliche Hilfe von einer erfahrenen Person.
  • Das Gespräch mit einem Suchtberater ist kostenlos und kann bei Bedarf auch anonym erfolgen.
  • Eine Beratungsstelle gibt es sehr wahrscheinlich auch in deiner Nähe.

Nachteile der Beratung durch einen Außenstehenden

  • Es gibt leider keine dokumentierte Erfolgsquote, wie viele Angehörige auf Grund der Beratung den Betroffenen zu einer Behandlung seiner Alkoholerkrankung bewegen können.

Suchtberatung für Angehörige: Möglichkeit Nr. 5 -  Blogs, Foren, Podcasts, Austausch mit anderen Angehörigen

Ein gutes Grundwissen zum Thema Alkoholismus kannst du dir durch Bücher, Blogartikel, Podcasts oder Gesprächen mit anderen betroffenen Angehörigen aneignen. Die Informationen sind meist leicht zugänglich und Gespräche mit Familien und Freunden können eine gute soziale Unterstützung für den Umgang mit der Alkoholerkrankung des nahestehenden Menschen bieten.

Vorteile von Blogs, Foren, Podcasts und Austausch mit anderen Angehörigen

  • Der Zugang zu Informationen ist leicht und es handelt sich um eine vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit.
  • Es erfordert vergleichsweise wenig Aufwand, ein Buch oder einen Blogbeitrag zu lesen und sich Wissen anzueignen.
  • Es kann ein guter Ausgangspunkt sein, um mehr über das Thema Alkoholismus zu erfahren.
  • Die Gespräche mit Freunden und Familie können eine gute Unterstützung bieten und dir dabei helfen, den negativen Stress zu verarbeiten.
Nachteile von Blogs, Foren, Podcasts und Austausch mit anderen Angehörigen

  • Bücher bilden eine gute Basis um Wissen zu erwerben, aber wenn du wirklich etwas verändern im Umgang der Alkoholerkrankung möchtest, dann musst du neue Fähigkeiten entwickeln und diese regelmäßig üben.
  • Andere Angehörige oder Freunde und Familie können dich gut unterstützen, aber häufig verfügen sie nicht über das notwendige Hintergrundwissen, um dir im Umgang mit dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) wirklich helfen zu können.

Suchtberatung für Angehörige: Diese 5 Faktoren solltest du beachten

1. Deine Bedürfnisse

Es kann wirklich schwierig, sich mit seinen eigenen Bedürfnisse auseinandersetzen, wenn die Alkoholsucht eines nahen Menschen den Alltag bestimmt. Aber es ist durchaus wichtig, dass du deine Bedürfnisse berücksichtigst. Welche Art von Unterstützung oder Hilfe suchst du? Ist es der Austausch mit anderen Person? Suchst du konkrete Tipps für den Umgang? Möchtest du Antworten auf deine Fragen erhalten? 

2. Deine Überzeugung

Auch deine persönliche Überzeugung von dem Alkoholproblem und was man dagegen tun kann, hat eine Einfluss auf deine Wahl. Wenn du Spiritualität gegenüber offen bist, dann könntest du beispielsweise zuerst den Ansatz der 12-Schritte ausprobieren. Wenn du aber der Meinung bist, dass der Betroffene mit seinem Alkoholkonsum direkt konfrontiert werden muss, dann kann eine Intervention für dich in Frage kommen. Wenn du lieber einen nicht-konfrontativen Ansatz verwenden und dich auf die positiven Aspekte fokussieren möchtest, dann kann das CRAFT-Modell vielleicht eine Option für dich sein.

3. Deine finanziellen Möglichkeiten

Einige der vorgestellten Ansätze sind mit Ausgaben verbunden, andere hingegen sind kostenlos. Es ist sinnvoll, dass du eine Bestandsaufnahme deiner aktuellen finanziellen Situation und dir Gedanken darüber machst, wie viel Geld du realistisch monatlich ausgeben kannst und auch willst, um dir und dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) zu helfen.

4. Deine Zeit

Der zeitliche Aufwand hängt ebenfalls davon ab, für welchen Ansatz der Suchtberatung für Angehörige du dich entscheidest. Bei einige Möglichkeiten musst du deine Fähigkeiten mehrmals üben, damit du sie effektiv einsetzen kannst, bei anderen Optionen hingegen musst du nur einmal die Woche für eine Stunde zu einem Treffen gehen. Überlege dir, wie viel Zeit du bereit bist, für eine Verbesserung deiner Lebenssituation zu investieren.

5. Deine persönlichen Ziele

Was sind deine Ziele? Warum suchst du nach Hilfe und Unterstützung? Möchtest du den Betroffenen für eine Therapie seiner Alkoholkrankheit motivieren? Soll er weniger Alkohol trinken oder möchtest du deine eigene Lebensqualität wieder verbessern? Hier gibt es kein richtig oder falsch. Nimm dir einen Moment Zeit, um über deine Ziele nachzudenken.

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

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