Alkoholiker helfen oder fallen lassen? 10 Tipps für Angehörige

Alkoholiker helfen oder fallen lassen? 10 Tipps für Angehörige

Als Angehörige eines Menschen mit einem Alkoholproblem (umgangssprachlich auch als Alkoholiker bezeichnet) bist du ebenfalls sehr betroffen. Du hast das Gefühl etwas tun zu müssen, zu handeln und machst dir Sorgen. Du möchtest helfen, die Probleme in den Griff bekommen, aber stößt vermutlich auf emotionale Kälte oder sogar aggressives Verhalten bei dem Betroffenen. Vielleicht bist du auch verzweifelt und machst dir Gedanken wie du dich in Bezug auf die Alkoholsucht des Betroffenen verhalten sollst. Wahrscheinlich hast du dir auch schon die Frage gestellt: Soll ich den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) helfen oder ihn fallen lassen?

Die Alkoholerkrankung des Betroffenen wird so auch leider zu deinem persönlichen Problem und hat damit auch einen wesentlichen Einfluss auf dein Leben.

Doch wie verhält man sich als Angehörige am besten? Sollte man den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) nun helfen oder lieber fallen lassen? Was sollte man beachten und wie vermeidet man, dass man persönlich zu sehr unter der Alkoholsucht eines nahestehenden Menschen leidet und sich dadurch in die Gefahr begibt, das eigene Leben zu vernachlässigen? Auf diese Fragen möchte ich in diesem Artikel eingehen.

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Vereinbare ein Beratungsgespräch und erhalte konkrete Handlungsmöglichkeiten.
Jetzt Gespräch vereinbaren

Betroffene (ugs. Alkoholiker) helfen oder fallen lassen: Richte den Fokus auf dich

Häufig hat das Verhalten der Angehörigen zur Folge, dass sie sich weniger Zeit für ihre eigenen Interessen nehmen, die Kraft und Energie langsam nachlassen und sie langfristig unter der Alkoholerkrankung des nahen Menschen leiden und sich überfordert fühlen.

Angehörige von Betroffenen (ugs. Alkoholiker) bewegen sich häufig zwischen Verantwortungsgefühl und persönlicher Enttäuschung - zwischen Liebe und Wut - zwischen Hoffnung und Ratlosigkeit. Viele stoßen dabei an ihre Grenzen und möchten der Situation des Alkoholismus am liebsten entkommen.

Um den negativen Kreislauf des Alkoholismus entfliehen zu können, ist es wichtig, dass du den Fokus wieder auf dich richtest und zuerst deine eigene Rolle hinterfragst, bevor du nach einer Antwort auf die Frage "Alkoholiker helfen oder fallen lassen" suchst.

Alkoholiker helfen oder fallen lassen: Analysiere zuerst deine Rolle

Damit du den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) in seiner Situation unterstützen kannst, ist es wichtig zu verstehen, wie dein persönliches Verhalten einen Einfluss auf seine Alkoholerkrankung hat. Versuche dir ein Bewusstsein darüber zu schaffen, mit welchen Verhaltensweisen du einen Einfluss auf die Alkoholsucht des Betroffenen hast.

Vielleicht erkennst du dich in einer der beschriebenen Situationen wieder.

1. Du beschützt den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) und entschuldigst ihn.

"Er arbeitet so viel, hat Stress und dazu kommen auch noch persönliche Sorgen... eigentlich sind ja auch seine Freunde daran schuld, dass er Alkohol trinkt und eigentlich ist es ja nur Schaumwein...". 

Kennst du solche oder ähnliche Sätze vielleicht selbst von dir?

Gerade in der Anfangszeit versuchen Angehörige häufig das Verhalten des Betroffenen zu entschuldigen und Erklärungen dafür zu finden, warum dieser seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Sie übernehmen Verantwortung, erledigen seine Aufgaben und beschützen ihn vor den negativen Konsequenzen des Alkoholkonsums. Verbunden mit dem eigenen Angst- und Schamgefühlen, trauen sich Angehörige häufig nicht mit anderen Menschen zu den eigenen Problemen auszutauschen und laufen damit in die Gefahr, sich zunehmend aus dem eigenen Leben zurückzuziehen und einsam mit der Situation zu leben.

2. Du möchtest den Alkoholkonsum des Betroffenen kontrollieren.

Vielleicht hast du auch schon verzweifelt versucht, den Alkoholkonsum des Betroffenen zu kontrollieren, indem du seine Flaschen versteckst, den Alkohol wegschüttest oder ihm Vorgaben machst, dass er nicht mehr so viel trinken darf. Die Gefahr ist groß, dass du deine eigene Stimmung davon abhängig machst, ob der Betroffene getrunken hat und du lebst zwischen täglicher Hoffnung, Enttäuschung, Frustration, bis hin zu persönlichem Selbstzweifel. Immer häufiger wird sich deine Wut über die Alkoholsucht bemerkbar machen und hat damit auch negative Auswirkungen auf dein eigenes Leben.

3. Du machst den Betroffenen für deine Situation verantwortlich.

Wenn die Situation für dich nicht mehr ertragbar ist und alle Versuche bereits gescheitert sind, dass der Betroffenen mit dem Alkoholkonsum aufhört, dann kommt es häufig zu Vorwürfen. 

"Wegen dir geht es unserer Familie so schlecht. Du bist ein Alkoholiker und wegen dir haben wir kein Leben mehr...". 

In diesem Fall machst du den Betroffenen für die bestehenden Probleme auf Grund der Alkoholsucht verantwortlich und drohst mit Konsequenzen, sollte er seinen Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle bekommen.

4. Du verfällst in einen Zustand, an dem du nicht mehr weißt, wie es weitergeht.

Sobald du realisierst, dass du auch mit der Androhung von Konsequenzen nichts gegen die Alkoholsucht des Betroffenen tun kannst, besteht die Gefahr, dass du in einen Zustand verfällst, an dem du das Gefühl hast, keine Kontrolle mehr über dein Leben zu haben - du hast keine Ideen und Lösungen mehr, wie du mit dem Problem des Alkoholismus umgehen sollst.

Das Gefühl der Hilflosigkeit entsteht, wenn du in dieser Situation gefangen bleibst, nach außen den Schein einer funktionierenden Familie bewahren musst, aber auf der anderen Seite realisierst du auch, wie sich die Persönlichkeit des Betroffenen langsam auf Grund des Trinkens verändert und wie die Alkoholkrankheit zunehmend den Mittelpunkt eures Lebens einnimmt.

Den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) helfen oder fallen lassen: Aus der eigenen Rolle befreien

Für den Betroffenen ist es eine persönliche Herausforderung, sich aktiv seiner Alkoholerkrankung zu stellen. Bevor du daher mit Hilfsangeboten auf ihn zugehst, solltest du dir bewusst sein, dass vermutlich mit heftiger Gegenwehr oder sogar aggressiven Verhalten auf dein Angebot reagiert wird. Die Bereitschaft etwas an der Alkoholerkrankung zu ändern, wird sich erst in dem Moment einstellen, wenn er unter den Folgen seines Alkoholkonsums leidet. Er muss seine Situation als so unerträglich einschätzen, dass er akzeptiert, dass er etwas an seinem Trinkverhalten ändern muss. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, dass der Betroffene bereit ist, sich helfen zu lassen und etwas gegen die Alkoholerkrankung zu unternehmen. Das Gute ist, es gibt Möglichkeiten, wie du die Wahrscheinlichkeit erhöhst, dass genau diese Bereitschaft bei dem Betroffenen entsteht. Erfahre mehr darüber in einem kostenlosen und persönlichen Austausch mit mir.

Klare Kommunikation

Ein vertrauliches Gespräch zwischen dir und dem Betroffenen ist im ersten Schritt sehr hilfreich. Warte jedoch unbedingt auf den richtigen Zeitpunkt: Dein Angehöriger muss nüchtern sein und darf sich keinesfalls im alkoholisierten Zustand befinden. Signalisiere ihm, dass du ihm helfen möchtest und zeige ihm deutlich auf, dass du dir Sorgen machst und wie wichtig dir seine Gesundheit ist. Versuche jedoch zu vermeiden, dass du ihn mit Vorwürfen wie "Du trinkst zu viel..." oder "Du ruinierst unser Leben..." konfrontierst. Das wird nur zur Folge haben, dass sich der Betroffene angegriffen fühlt und mit Gegenwehr oder Zurückziehen reagiert. Bleibe daher lieber sachlich, versuche aus der "Ich-Position" zu sprechen und nutze Sätze wie "Ich habe den Eindruck..." oder "Ich beobachte...". Mehr zu den Regeln einer guter Kommunikation findest du in dem Artikel "Alkoholismus: Wie spreche ich ein Alkoholproblem an?".

Selbstverständlich ist so ein Gespräch für euch beide nicht angenehm und du musst gegebenenfalls sogar damit rechnen, dass der Betroffene das Gespräch abbricht und aus der Situation flüchten wird. Lass dich davon jedoch nicht entmutigen und sehe es als einen ersten Schritt in die richtige Richtung an. Versuche zu einem späteren Zeitpunkt das Gespräch erneut aufzunehmen und signalisiere deinem Angehörigen, dass du jederzeit für ihn da bist, wenn er an seiner Situation etwas ändern möchte.

Kümmere dich zuerst um dich und dann um den Betroffenen

Das mag vielleicht erst einmal komisch klingen, aber du wirst schnell feststellen, dass es durchaus sinnvoll ist, sich zuerst um sich selbst zu kümmern, bevor du dir die Frage stellst, ob du den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) helfen oder fallen lassen sollst. Denn nur wenn du ein eigenes, glückliches Leben führst, wirst du auch die Kraft und Energie haben, dich mit der Alkoholsucht des Betroffenen auseinanderzusetzen. 

Denke zuerst an dich selbst und unternehmen wieder Aktivitäten, die dir Spaß machen und Freude bereiten. 

Beschäftige dich wieder mit deinen Hobbys. Hilfreich sind auch Meditationen oder andere Entspannungsmethoden. Versuche so ein Gegengewicht zu deinem schwierigen Alltag im Umgang mit dem Alkoholismus eine nahen Menschen zu schaffen.

Achte darauf, dass du nur Aufgaben übernimmst, für die du auch selbst verantwortlich bist. Ziehe klare Grenzen und verzichten nicht auf Dinge, die dir in deinem Leben wichtig sind. Übernehme keine Aufgaben, die eigentlich der Betroffene erledigen sollte. Ansonsten läufst du schnell in die Gefahr, dass du deine eigenen Bedürfnisse wieder auf Grund der Alkoholsucht des Betroffenen (ugs. Alkoholiker) vernachlässigst. Nur so besteht auch die Chance, dass der Betroffene mit den negativen Folgen seines Trinkens konfrontiert wird und realisiert, dass keine andere Person sich um seine Verpflichtungen kümmert.

Tausche dich mit anderen Menschen aus.

Auch wenn es dir am Anfang nicht leichtfällt und du dich nur schwer dazu überwinden kannst: Aber das Gespräch mit anderen Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation wie du befunden haben oder aktuell noch befinden, wird dir im Umgang mit der Alkoholerkrankung des Betroffenen helfen. In solchen Gesprächen kannst du offen über deine tägliche Belastung und deine Sorgen als Angehörige sprechen und gemeinsam könnt ihr Bewältigungsstrategien für deine täglichen Herausforderungen diskutieren. Durch den Austausch mit Gleichgesinnten wirst du schnell merken, dass du in deiner Situation nicht allein bist und es viele andere Menschen gibt, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen oder in der Vergangenheit standen.

Der Austausch mit anderen Menschen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern zeigt vielmehr, dass du dich deiner Verantwortung stellst und aktiv dem Problem widmest. 

Gerne kannst du auch die Möglichkeit eines kostenlosen und persönlichen Austauschs mit mir nutzen. Melde dich einfach dafür hier an.

Betroffenen (ugs. Alkoholiker) helfen oder fallen lassen: 10 Tipps für Angehörige

Indem du dich über die Alkoholerkrankung des Betroffenen informierst, hast du bereits einen wichtigsten Schritt für die Antwort auf die Frage: "Alkoholiker helfen oder fallen lassen" getan. Es ist hilfreich das du verstehst, wie sich die Alkoholsucht auf dich und den Betroffenen auswirkt. Dadurch kannst du dich auf zukünftige Situationen besser einstellen und lernst einen Umgang mit dem Alkoholproblem zu entwickeln. Wichtig ist auch, dass du dir immer wieder ins Bewusstsein rufst, dass der Betroffenen die Konsequenzen seines Alkoholkonsums selbst erfahren muss muss. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du eigentlich sonst typische Verhaltensweisen (die du normalerweise unternehmen würdest, wenn der Betroffene krank ist) nicht unternimmst. Hierunter fallen vor allem das Abnehmen von Verantwortungsbereichen sowie das Beschützen und Entschuldigen seiner Handlungen gegenüber anderen Menschen. Es gibt aber auch noch einige andere Aspekte, die dich in deiner Situation unterstützen können:

  1. Informiere dich über die Krankheit Alkoholismus. Versuche nicht das Problem zu verdrängen oder zu verleugnen, ansonsten unterstützt du den Betroffenen nur in seiner Alkoholerkrankung.

  2. Sei dir zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass du keine Schuld an der Alkoholsucht hast. Betroffene konfrontieren häufig ihre Angehörigen und wollen sie dafür verantwortlich machen, dass sie der Grund sind warum sie Alkohol trinken. Jeder macht Fehler, aber du hast seine Alkoholerkrankung nicht zu verantworten.
  3. Tausche dich mit deiner Familie, deinen Freunden und anderen Menschen über das Alkoholproblem aus und versuche ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass es sich bei Alkoholismus um eine ernsthafte Erkrankung handelt.
  4. Verstecke nicht den Alkohol des Betroffenen und schütte ihn auch nicht weg. Er wird die Flaschen finden oder sich neuen Alkohol kaufen und dadurch wird der Kampf vor allem für dich persönlich anstrengend und verschlechtert nur euer persönliches Verhältnis.
  5. Sei dir darüber bewusst, dass du es nicht versuchen brauchst ein sachliches Gespräch mit dem Betroffene zu führen, wenn er alkoholisiert ist: Diskussionen, Vorwürfe, Drohungen oder gutes Zureden werden nicht ihre Wirkung erzielen. Im Gegenteil, es wird zu Streit kommen und dieser wird nur die Situation verschlimmern.
  6. Versuche den Betroffenen nicht den Alkoholkonsum zu verbieten, er wird deine Drohungen sehr wahrscheinlich einfach nur ignorieren, was wiederum deine Frustration zu der Alkoholerkrankung erhöht.
  7. Wenn es für dich richtig anfühlt, dann informiere den Hausarzt des Betroffenen über deine Vermutung, dass er ein Alkoholproblem hat. So schaffst du eine weitere Möglichkeit, dass ihm von einer anderen Seite bei der Bewältigung seiner Alkoholsucht geholfen wird.
  8. Spreche keine Drohungen aus, wenn du sie nicht auch konsequent umsetzen wirst. Wenn du dir also die Frage stellst, ob du den Betroffenen (ugs. Alkoholiker) helfen oder fallen lassen sollst, dann treffe für dich eine Entscheidung und ziehe diese durch. Wenn es sich beispielsweise bei dem Betroffenen um deinen Ehepartner handelt, dann drohe nicht mit der Scheidung, wenn du sie nicht auch wirklich einreichen wirst. Zeige deinem Partner vielmehr auf, dass du bereit bist, aus dem gemeinsamen Haushalt auszuziehen und erst wiederkommst, wenn er nüchtern ist. Wenn du mit deinen Worten keine Wirkung erzielst, dann setze dein angedrohtes Szenario auch unbedingt um und entscheide dich nicht für eine andere Lösung.
  9. Sollte der Betroffene auf Grund seiner Alkoholsucht in finanziellen Schwierigkeiten stecken, dann spreche mit ihm darüber und zeige ihm die Problematik auf, aber übernehme nicht seine finanziellen Verpflichtungen. Ansonsten würdest du sein Trinkverhalten nur vertuschen, was wiederum zur Folge hat, dass er weitere Schulden auf Grund der Alkoholerkrankung anhäuft.
  10. Versuche sachlich zu bleiben und Situationen zu vermeiden, in denen Streit zwischen dir und dem Betroffenen (ugs. Alkoholiker) entstehen kann. Finde die richtige Balance, sodass du nicht zu nachgiebig, aber auch nicht zu ablehnend bist. Der Betroffene muss aus deinem Verhalten erkennen und spüren können, dass er deine Unterstützung für den Fall hat, wenn er etwas an seinem Alkoholkonsum ändern möchte.

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Erinnerst du dich noch daran, wie es sich anfühlt Spaß zu haben? Lachen zu können und sich sorglos und frei zu fühlen? Das Alkoholproblem eines nahestehenden Menschen kann dir all diese schönen Dinge nehmen und sie durch Sorgen, Angst und Wut ersetzen. Das muss nicht sein. Erfahre wie du deine Situation verändern kannst.

Jetzt Unterstützung erhalten

Bist du auf der Suche nach Hilfe und Antworten?

Vereinbare ein Beratungsgespräch und erhalte konkrete Handlungsmöglichkeiten.
Jetzt Beratungsgespräch vereinbaren

Wenn Alkohol zum Problem wird.
Hilfe für Familie und Freunde.

© 2021 Challenge-A